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Von Elternschule, Zwang, Strafen und meinem Umdenken

Zumindest in den sozialen Netzwerken findet ein Film mit dem Namen Elternschule derzeit große Beachtung und wird von vielen Menschen mit Erschütterung aufgenommen. Da ich den Film (noch) nicht selbst gesehen habe, kenne ich bisher nur den Trailer und die vielen Stimmen aus dem Internet, die mit Entsetzen auf diesen Film reagiert haben.
Auch mir lässt alleine die Idee dieses Films keine Ruhe, zeigt er doch, wie Kinder dazu gebracht werden sich besser, d.h. gehorsamer zu benehmen, besser, d.h. alleine einzuschlafen, und vieles mehr. Die verwendeten Methoden sind lange bekannt, über Generationen erprobt und stecken auch mir in meinen erzieherischen Genen. Und das ist es, was eine gewissen innere Unruhe in mir auslöst. Denn allein die Existenz dieses Films ist es nicht, dieser polarisiert und passt damit genau in eine Zeit, in der die Dinge, die schon lang real aber eher vorborgen waren, ganz klar sichtbar werden.

Auch unsere Erziehungs- und Bildungslandschaft ist im Umbruch, und dieser Film macht deutlich, wie viel altes Denken uns noch in den Knochen steckt. Und wie oben schon erwähnt, gehe auch ich mit diesem Film in Resonanz. Erschreckend? Nein, für mich nicht mehr, denn ich habe inzwischen verstanden, warum ich Bücher wie „Tyrannen müssen nicht sein“, „Die Tigermutter“, u.a. faszinierend und abstoßend zugleich finde. Ihnen allen liegt der Wunsch zugrunde, Kinder auf die Spur zu bringen, sprich, sie folgsam zu machen, vermeintlich, um später ein erfolgreicher und gut funktionierender Teil unserer Gesellschaft zu werden und darin ihr Glück zu finden.

Als Mutter kann ich diesen Wunsch nicht nur nachvollziehen, sondern auch ich habe mir lange ein „normales“, angepasstes und vermeintlich glückliches Leben für meine Kinder gewünscht. Viel wichtiger aber als alle guten Wünsche für die Zukunft meiner Kinder war mir ein gut funktionierendes Alltagsleben. Und zwar in dem Takt und Rhythmus, den wir Eltern vorgaben. Da ich selber als Kind recht problemlos funktioniert habe, erwartete ich das Gleiche von meinen Kindern. Für mich war ganz klar, dass sie meinen Ansagen und Erwartungen folgen würden, das bedeutete für mich damals Erziehung. Als sie nicht folgten, geriet ich in unvorstellbaren Stress. Gefühle von Machtlosigkeit und Ohnmacht stellten sich mehr und mehr ein, was dazu führte, dass die Methoden, mit denen ich meine Kinder zum „folgen“, bzw. zum Gehorsam „überreden“ wollte immer krasser wurden. Eine Spirale aus Ohnmacht und immer heftigeren Sanktionen nahm ihren Lauf. Bald schlug das Gefühl von Ohnmacht in Wut um, die sich in regelmäßigen lautstarken und beidseits sehr verletzenden Auseinandersetzungen mit den Kindern ihren Weg aus meinem Körper suchte. Ein Zustand, der für alle Beteiligten verletzend, kraftraubend und frustrierend war. In diesen Tagen wusste ich nicht, wie ich die Situation hätte verändern können. Ich hatte dafür kein Vorbild, niemanden, mit dem ich mich darüber hätte austauschen können oder wollen und war der Überzeugung, dass Strenge, Konsequenz, Regeln und deren unbedingte Einhaltung und Umsetzung der beste Weg aus unserer Situation wären. Und ganz unten schlummerte der Wunsch, einmal im Leben endlich in der Rolle zu sein, in der ich das Sagen habe, in der andere tun, was ich für richtig halte. Und die Wut darüber, dass ich mich wieder ohnmächtig fühlte, dass meine Ideen nicht realisierbar waren, dass meine Kinder und damit mein Alltag nicht funktionierten, wurde ständig größer, die Wutausbrüche häufiger und irgendwann schrie ich meine Kinder schon auf dem Weg vom Kindergarten nach Hause an, obwohl wir uns gerade erst nach stundenlanger Trennung wieder gesehen hatten.

Ja, ich verstehe, wenn Eltern in ihrer Verzweiflung, in ihrem Gefühl von Ohnmacht, in ihrer Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit nach Wegen suchen, die ihre Kinder und ihren Alltag wieder in die Spur bringen. Und Teile von mir halten in meinen hilflosesten Momenten hartes Durchgreifen und Druckmittel immer noch für einen effektiven Erziehungsansatz.

Ja, ich verstehe, dass es Menschen gibt, die diesen Film für gut halten und die gezeigten Methoden für angemessen und gehöre heute zum Glück selber nicht mehr dazu.

Ich habe bitter erfahren, dass es Kinder gibt, die sich nicht brechen lassen, denen du jegliche Strafe aufdrücken und alle Privilegien nehmen kannst, und die dann immer noch nicht tun, was du willst. Und spätestens dann wissen auch die Methoden, die auf Zwang, Strafe und Liebesentzug setzen, nicht mehr weiter. Und an dieser Stelle erst begann mein Umdenken. An diesem Punkt war ich erst soweit, mir Hilfe zu holen, mich um mich selber zu kümmern. Herauszufinden, warum Gefühle wie Hilflosigkeit, Ohnmacht, mangelnde Wertschätzung, u.a. so heftige emotionale Reaktionen in mir auslösen. Ich begann zu verstehen, warum ich soviel brüllte und ich lernte nach und nach andere Weg kennen, um meine Wut und Verzweiflung zu kanalisieren. Ich lernte empathischer und liebevoller mit mir umzugehen und es gelang mir langsam, dies auch wieder mit meinen Kindern zu sein. Ich erkannte, dass es in der Erziehung nicht um Macht geht, sondern um ein Miteinander. Dass das Ernstnehmen der Wünsche meiner Kinder nicht bedeutet, sie auch erfüllen zu müssen. Dass ich es aushalten kann, wenn meine Kinder mal unzufrieden mit mir sind, weil ihr Wunsch nicht in Erfüllung geht, dass ich ihre Unzufriedenheit sogar sehen und spiegeln kann, ohne mich dadurch angreifbar oder manipulierbar zu machen. Ich verstand, dass meine Kinder mich authentisch brauchten, mich, so wie ich wirklich bin und nicht so, wie ich dachte, dass eine konsequente Mutter sein müsste. Ich verstand, dass liebevolles Begleiten natürlich auch was mit dem Setzen von Grenzen zu tun hat, aber dass diese Grenzen sehr individuell und in erster Linie meine ganz persönlichen Grenzen sind. Und ich nahm zum ersten Mal wahr, wie sehr ich die Grenzen meiner Kinder ohne mit der Wimper zu zucken überschritten hatte, ständig und immer wieder. Ich hatte versucht, meine Kinder folgsam zu machen, wenn es sein musste, in ihrem Willen zu brechen und mich gewundert, dass sie diesen Stress an den nächst Schwächeren (Geschwister) weitergaben.

Es hat gedauert, Monate, Jahre, um aus den alten Denk- und Verhaltensmustern heraus zu kommen. Es war Arbeit, bewusste, mitunter anstrengende und herausfordernde Arbeit. Es hat weh getan, vor allem, weil all das nur geht, wenn man ehrlich zu sich selbst ist, wenn man sich seinen Verletzungen und emotionalen Schmerzen stellt, wenn man sich aus seiner Komfortzone bewegt. Es hat gedauert – und es hat sich so gelohnt! Diese Jahren waren bestimmt die forderndsten in meinem Leben, oft auch die traurigsten und gleichzeitig die, die mich am meisten verändert haben. Die Jahren, in denen ich immer besser verstanden habe, wer ich eigentlich bin und warum ich so bin, wie ich bin. Jahre, in denen ich innerlich gewachsen bin und vielleicht endlich erwachsen wurde.

Ja, ich kann verstehen, dass Erziehungsmethoden wie im Film Elternschule immer noch Anhänger finden, und ich freue mich über jedes Elternteil, das bereit ist, es anders zu machen. Ich freue mich über jeden Menschen, der Kindern empathisch, liebevoll und auf Augenhöhe begegnet und sie mit dem Herzen sieht. Erziehung bedeutet für mich nicht, Kinder auf irgendeine Spur zu bringen, sie auf Leistung und Erfolg zu trimmen oder sie im Alltag zum Funktionieren zu bringen. Erziehung bedeutet für mich, Kinder beim Großwerden zu begleiten, ihnen zuzuhören, ihre Bedürfnisse und Wünsche kennenzulernen, ihre Träume zu sehen, ihre Gefühle zu tolerieren und zu achten und ihnen ein authentisches und liebevolles Vorbild zu sein. Wenn ich meinen Kindern eine Richtung für ihr Leben geben wollten, dann würde ich ihnen sagen: „Folge Deinem Herzen. Finde heraus, was Dich glücklich macht. Finde heraus, wo Dein Platz auf dieser Welt ist und welchen Beitrag und welche Potentiale Du in diese Welt trägst.“

Ich bin sooo wütend, aber auf wen oder was?

Montag, früh am Morgen. Zeit aufzustehen, die Kinder zu wecken und den Tag zu beginnen. Wir sind gut in der Zeit und solange das Bad belegt ist, schaffe ich es, den ein oder anderen Sonnengruß zu machen, sehr zur Freude unseres Hundes. Alles scheint gut. Wir frühstücken und die ersten beiden Kinder verlassen das Haus pünktlich in Richtung Schule. Im Briefkasten liegt ein Brief meines Arbeitgebers mit der Bitte, die Datenschutzerklärung zu unterschreiben und zurückzuschicken, damit mein Vertrag verlängert werden kann. Ich freue mich. Endlich scheint es klar, dass ich auch im nächsten Schuljahr einige Stunden unterrichten kann. Dass unser drittes Kind auf meine Weckversuche nur mit Grummeln und Stöhnen reagiert und sich demonstrativ in seinem Hochbett umdreht, scheint aushaltbar. Wieder ein Tag ohne Schule für ihn, ein blödes Spiel, das noch immer kein Ende nimmt.

Mit der unterschriebenen Datenschutzerklärung mache ich mich auf den Weg in „meine“ Schule und hoffe Näheres über das nächste Schuljahr zu erfahren. Fehlanzeige. Selbst wenige Tage vor dem Beginn der großen Ferien kann mir niemand sagen, ob es im nächsten Schuljahr Stunden für mich gibt oder nicht. 

Eine blöde Situation, die mich mit Tränen in den Augen aus der Schule gehen lässt. Draußen angekommen merke ich, wie viel Wut hinter diesen Tränen steckt, wie viel alte und auch sehr kindliche Wut in dieser unklaren Situation den Weg ans Tageslicht findet. Ich nehme mir Zeit und spüre diesem Gefühl nach, marschiere stampfend und spürend in Richtung  Praxis, im Wissen dort Raum und Ruhe zu finden, um mich um mich und meine Wut zu kümmern. Es gelingt mir die Wut zu kanalisieren und in Produktivität umzusetzen, und so schwinge ich den Putzlappen, reinige im Außen und lassen meine Gedanken und Gefühle fließen.

Meine Wut richtet sich auf alles Mögliche, auf mein Kind, das wieder einmal nicht funktioniert und sich weigert in die Schule zu gehen, auf meinen Mann, der genauso wenige Lösungen zu bieten hat wie ich, auf die Schule, ohne die wir viele unserer Probleme gar nicht hätten, auf die Behörden, die Menschen wie Ressourcen verplanen und glauben, alle Welt springt, sobald nach ihnen gepfiffen wird, auf die vielen Kollegen, die dieses Spiel seit Jahrzehnten mitspielen, klagend vielleicht, aber letztlich ohne Konsequenz, auf die vielen Eltern, die sich immer wieder über Schule beschweren und doch nicht aktiv werden, auf die vielen Familien, in denen der Alltag scheinbar gut funktioniert, auf mich, weil ich noch keine Lösung für unseren Sohn gefunden habe, auf meine Wut auf mich, weil ich weiß, dass ich keinen Grund habe, auf mich wütend zu sein und ganz am Ende dann auf diese Gefühl von Ohnmacht, das mir suggeriert, ich könnte gar nichts ändern. Und dann reißt der Wutstrom ab, denn an dieser Stelle sitzt er, der tiefe Schmerz, aus Zeiten, in denen ich vielleicht wirklich noch nichts ändern konnte oder die Außenwelt mir klarmachte, ich könne nichts ändern.

Dieser versteckte Schmerz aus Kindheitstage, der der Preis dafür war, sich mehr oder weniger bereitwillig in Systeme zu fügen, die suggerierten zu wissen, was das Beste für mich sei und wie ich zu sein hätte. Dieser Schmerz aus Zeiten, in denen Widerspruch schmerzhafter schien als Anpassung, in denen hinter jeder Ecke eine negative Konsequenz für vermeintliches Fehlverhalten wartete und Grenzüberschreitungen konsequent geahndet wurden. Aus einer Zeit, in der ich mir durch erwünschtes Verhalten eine Reihe Privilegien erarbeitet hatte, die ich nicht wieder verlieren wollte. Ich bin wütend auf mich, weil ich mich als Kind klaglos in das Machtgefüge in Schule und Erziehung gefügt habe und so oft tat, was man von mir erwartete, obwohl es mir innerlich widerstrebte. Nichts Schlimmes, die normalen Dinge, die von Kindern erwartet werden eben, aber gefühlt immer aus der Position des Aufforderungsemfängers und nicht aus einer Position des Miteinanders. Viel zu häufig einfach als „Ansage“, der Folge geleistet werden sollte, weil die zu befürchtenden negativen Konsequenzen bei Nichtbefolgung schlimmer waren, als der Aufforderung einfach nachzukommen.

Rückblickend eine verheerende Konstellation, denn den konstruktiven Umgang mit Situationen, in denen ich anderer Meinung war oder etwas anderes gebraucht hätte, habe ich so nicht gelernt. Und so erlebe ich dieses Gefühl von Ohnmacht und Fremdbestimmung noch heute und kann jetzt erst realisieren, wie wütend ich als Kind auf dieses ungleiche Machtgefüge in der Schule und in der Erziehung allgemein war und wie viel mehr Miteinander und Augenhöhe ich dringend gebraucht hätte. Jetzt, als erwachsene Frau und Mutter, gilt es neu zu lernen, das Gefühl von Ohnmacht zu erkennen und zu realisieren, dass ich in jeder Situation mitbestimmen kann, auch, wenn es sich erstmal nicht so anfühlt. Und auch, wenn es vielleicht nicht immer gleich große oder komplette Lösungen gibt, kann ich selbstbestimmt kleine Schritte gehen und dabei wieder spüren, wie ich selber in der Lage bin, mein Leben und meinen Alltag zu gestalten.

Ganz konkret heißt das, dass ich entscheiden kann, ob ich mich der langen Warterei auf eine mögliche Stundenzuteilung an der Schule aussetze oder aktiv einen neuen beruflichen Plan entwerfe. Ich kann entscheiden, wie ich meinen Sohn und unsere Familie in der schwierigen Situation mit Schule unterstütze, damit wir klarkommen. Ich kann mir Unterstützung holen, die ich brauche und ich kann mich jederzeit aktiv mit meinen Gefühlen auseinander setzen, mir selber zuhören, alten Stress erkennen und konstruktiv damit umgehen, um mein Leben so zu gestalten, wie es für mich am besten passt.

Am Ende bleibt ein Haufen kindlicher Wut, die gesehen werden möchte, und um die ich mich kümmere. Mein inneres Kind braucht einen Zuhörer, jemanden, von dem es sich verstanden fühlt. Als Erwachsene kann ich dieser jemand sein. Ich werde zuhören, wertschätzend, liebevoll und urteilsfrei, ich werde da sein. Und wenn die Zeit reif ist, werde ich mit meinem inneren Kind an der Hand Situationen anders angehen, gestaltend und nicht ohnmächtig, über den Tellerrand schauend, konstruktiver und spielerischer als jemals zuvor.

Von Wellentälern und dem Weg da raus

Ostermontag, der Regen läuft an den Fensterscheiben runter, der Himmel ist grau, die See vor dem Fenster des Ferienhauses ist unruhig. Außer dem Ticken der Uhr hinter mir ist es ruhig. Der Hund schläft und meine Familie ist zu einem Ausflug aufgebrochen, heute mal ohne mich.

Seit Wochen hatte ich mich auf diesen Urlaub gefreut, hatte Erholung, Sonne, Meer und Zeit am und auf dem Wasser herbeigesehnt. Trübsal, Albträume in den Nächten und schlechtes Wetter hatte ich nicht eingeplant, und so erwischte ich mich gestern bei dem Gedanken, nur noch wenige Tage hier sein zu müssen, bevor ich wieder nach Hause fahren kann. Dabei gibt es außer dem regnerischen Wetter, das durchaus jeden Tag trockene Stunden bietet, in denen man etwas unternehmen kann, nichts zu beanstanden. Das Ferienhaus ist schön, das Essen gut, die familiäre Stimmung heiter, selten wolkig und oftmals sehr entspannt. Keiner hat mir etwas getan, äußerlich passt alles. Und gleichzeitig fühle ich mich seit längerem wieder völlig sinnlos, überlege mir, was ich hier (im Urlaub) eigentlich mache, wenn ich es doch nicht wirklich genießen kann, und was ich hier (auf der Erde) eigentlich mache, weil ich mir wieder mal nicht sicher bin, was für eine Aufgabe ich hier eigentlich habe und wo mein Platz ist. Ich bin grüblerisch, wenig in der Gegenwart und viel mit allem möglichen beschäftigt. Ich habe merkwürdige diffuse Ängste, wie ich sie schon ewig nicht mehr gespürt habe, bin in Situationen nervös, in denen ich meist sehr gelassen bin, bemuttere meine Kinder an merkwürdigen Stellen mehr als gewohnt und ernte nicht selten einen liebevollen aber irritierten Blick dafür. Ich träume nachts komische Dinge, werde zu Unzeiten wach, vermische die Umgebungsgeräusche mit meinen Träumen und bin morgens alles andere als ausgeruht. Unterm Strich gefühlsmäßig ein verdammter Tiefpunkt.

Der Vollmond am letzten Wochenende und die aktuelle Energie tun bestimmt wie so oft ihr übriges zu meiner derzeitigen Befindlichkeit. In letzter Zeit beobachte ich häufiger, dass sich meine inneren Themen mit zunehmendem Mond aufzubauen scheinen, klarer und intensiver werden, ich sie aber erst kurz nach dem Vollmond benennen kann, um dann absichtsvoll mit ihnen umzugehen. Gestern Abend (Ostern, der Tag nach Vollmond) ist mir beim Beobachten meiner Gedanken klar geworden, dass ich wieder einmal auf „Rettung“ und „Erlösung“ von außen warte. Eine Position zum Rest der Welt, die ich herrlich verinnerlicht habe und die dazu führt, dass ich erwarte, dass andere Menschen meine vermeintlichen Probleme erkennen und für mich lösen. Es dauert in solchen Prozessen bei mir immer ein paar Tage bis ich merke, wie sehr ich wieder in eine passive Rolle gerutscht bin, in der ich hoffe, dass irgendwann der Tag kommt, an dem mich jemand bei der Hand nimmt und für mich oder mindestens mit mir all meine Probleme und Sorgen löst und mir meinen Platz auf dieser Welt zuweist und mir die zugehörige wichtige Aufgabe benennt, die ich zu erfüllen habe. Inzwischen habe ich gelernt, anderen Menschen und auch den Umständen nicht mehr die „Schuld“ an meinem Befinden zu geben, daher möchte ich die Rolle, in der ich mich entdeckt habe, nicht als Opferrolle bezeichnen, aber von Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und positiver Gestaltung keine Spur. Und ja, irgendwie ist es schon noch eine Opferrolle, denn im Alltag kommt oft Wut hoch, wenn ich mich bei den täglichen Verrichtungen, die eine Familie mit Hund auch in den Ferien mit sich bringt, nicht ausreichend unterstützt fühle. Streit ums Gassi gehen sind gerade an der Tagesordnung und wie so oft sind meine Kinder wunderbare Spiegel meiner inneren Situation.

Zum Glück sehe ich seit gestern Abend klarer, erkenne, ich welche Ecke ich mich unbewusst manövriert habe und kann nun nach und nach wieder selber das Ruder übernehmen und den Kahn aus der Sackgasse steuern. Das geht nicht von jetzt auf gleich, aber der wichtigste Schritt in solchen Phasen ist für mich immer, wieder aktiv zu werden, die Richtung zu bestimmen und mich anders zur Situation zu positionieren, so dass sie zwar noch da sein mag, ich mich aber in ihr nicht treiben lasse sondern wieder beginne aktiv zu gestalten. Ein erster wichtiger Schritt ist es jedes Mal, wieder Verbindung zu meiner Intuition herzustellen, zu der ich den Zugang in den letzten Tagen schleichend und unbemerkt verloren habe. Dieser Zustand verursacht in mir immer ein Gefühl des allein gelassen seins und der Schutzlosigkeit, nicht selten auch etwas Panik. Diese gilt es zu überwinden, um wieder in Verbindung mit meiner inneren Stimme zu kommen, die in den vielen guten Phasen in meinem Leben sehr ausgeprägt und unterstützend ist. Neben der Absicht mich wieder der Intuition zu öffnen, helfen mir Spaziergänge und ausgewählte Essenzen bei diesem Prozess. Danach tut es mir oft gut, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren, indem ich z.B. schreibe oder meditiere, aufräume, aussortiere oder putze. Ich gestalte durch mein ganz alltägliches (bewusstes) Tun einen kleinen Neuanfang, verlasse nach und nach das Wellental, in dem ich mich in den letzten Tagen befunden habe und nehme die nächste große Welle, um wieder auf ihr zu surfen. Offen für das Leben und in dem Bewusstsein, dass nur ich der Gestalter meines Lebens bin.

Meine Vermutung, warum ich immer und immer wieder in diese Wellentäler rutsche? Weil in jedem Wellental ein wichtiger Wachstumsschritt liegt, der das Surfen auf der nächsten Welle noch schöner macht. Die Themen, die mir in den Wellentälern begegnen sind immer wieder die gleichen. In meinem Fall geht es häufig um den Wunsch nach Zugehörigkeit, Sinnhaftigkeit und Anerkennung. Angst vor Mangel, Ablehnung und Sinnlosigkeit sind deutliche Zeichen für ein Wellental. Ein scheinbares Feststecken in der dreidimensionalen Welt und ein gefühltes abgeschnitten sein von meiner Intuition runden das Bild ab. Das Vertrauen darein, diese Wellentäler unbeschadet zu überstehen wächst mit jedem Mal, und die Wellen, auf denen ich in guten Zeiten surfe, werden größer und schöner und ich halte mich von Mal zu Mal länger oben.

Das Abrutschen von der Welle ins Tal wird oft von einer Verfeinerung meiner Wahrnehmung begleitet, was dazu führt, dass ich Worte und Gesten intensiver wahrnehme, ich oft noch feiner rieche, die unterschiedliche Energie von Orten und Menschen noch deutlicher spüre und allein dadurch nicht selten Schwierigkeiten habe, innerlich im Gleichgewicht zu bleiben. Mein ganzes System scheint mit dieser höheren Sensitivität beschäftigt zu sein, und so sind Wellentäler bestimmt häufig auch Zeiten der Integration und der Anpassung an verfeinerte Sinne, die mir helfen, die nächste Welle mit noch mehr Freude und Leichtigkeit zu surfen.

 

 

 

 

 

 

Zum Frühlingsanfang am Dienstag, den 20.03.2018
Zur Sommersonnenwende am Donnerstag, den 21.06.2018
Zum Herbstanfang am Sonntag, den 23.09.2018

Immer von 19 – 22 Uhr

Die Wendepunkte der Sonne sind gute Zeitpunkte, um den Kurs im eigenen Leben zu reflektieren und ggf. anzupassen. Verteilt über das Jahr geben sie uns Gelegenheit, unseren Standort zu bestimmen, unsere Absicht zu präzisieren und neue Impulse für die folgenden Monate zu bekommen.
Jeder Abend besitzt seinen ganz eigenen Zauber und steht unter dem Einfluss der jeweiligen Zeitqualität. Neben geführten Meditationen unterstützen uns Methoden der inneren Arbeit, Kinesiologie und Aufstellungsarbeit auf dem Weg zu einem immer erfüllteren Leben mit viel Leichtigkeit und Lebensfreude.
 
bei Andrea Schlauersbach
im Zentrum Mensch, Badergasse 16, Aschaffenburg
Teilnehmergebühr je Abend 30 € (bar am Abend zahlbar)
Informationen und Anmeldung unter coaching@andrea-schlauersbach.de

Aufstellungstag (Familienaufstellung trifft Kinesiologie)

Die nächsten Aufstellungstage finden am 28.04.2018,  23.06.2018 und 21.07.2018 jeweils von 10 – 18 Uhr statt. Anmeldungen bitte per Mail an coaching@andrea-schlauersbach.de oder persönlich. Die Anzahl der Aufstellungen ist auf max. 4 pro Aufstellungstag begrenzt.

Die Kosten für eine eigenen Aufstellung betragen 120 €, Stellvertreter zahlen 20 €, Kursteilnehmer und Klienten nehmen als Stellvertreter kostenlos teil.

Aufstellungsarbeit ist in meinen Augen eines der wertvollsten Werkzeuge unserer Zeit, um im eigenen Leben zu immer mehr Lebendigkeit, Leichtigkeit und Freude zu finden. Ich schätze die Kombination aus Kinesiologie und Aufstellungsarbeit, die es uns ermöglicht, zielgerichtet und sanft alltagstaugliche Lösungen zu kreieren.

Wir stellen innerhalb der Gruppe auf, jeder kann als Stellvertreter fungieren, Vorkenntnisse sind keine erforderlich. Menschen, die erstmal „nur schauen“ wollen, sind herzlich willkommen.

Weitere Infos zur Aufstellungsarbeit finden Sie hier.

Aufstellungstag (Familienaufstellungen und mehr)


Mit Hilfe von Aufstellungen können Dynamiken sichtbar gemacht werden, die sich hinter wiederkehrenden Problemen, Konflikten, belastenden Situationen oder destruktivem Verhalten verbergen und zielführende Schritte in Richtung Lösung gegangen werden.
Wir stellen innerhalb der Gruppe auf, jeder kann als Stellvertreter fungieren. Menschen, die erstmal „nur schauen“ wollen, sind herzlich willkommen.

Die nächsten Termine: 3. Februar 2018, 10-17 Uhr

Weitere Informationenund Anmeldung gerne per Mail oder telefonisch. Eine genauere Beschreibung der Aufstellungsarbeit finden Sie auf meiner Homepage www.andrea-schlauersbach.de in den Angeboten für Eltern.

Das Seminar zum Jahreswechsel: 2018 wird bunt!

Das laufende Jahr hat zum Glück noch ein paar Wochen zu bieten, und trotzdem kündigt sich das neue Jahr schon spürbar an. Drum lade ich Dich bereits jetzt ganz herzlich zum Silvesterseminar ein und teile Dir gerne meinen Eindruck zum neuen Jahr mit:
Ein farbenfrohes und buntes Jahr 2018 erwartet uns. Wenn wir wollen, können wir im neuen Jahr alles fortführen, was wir in diesem Jahr begonnen haben. Haben wir den Entwurf für das laufende Jahr noch in schwarz-weiß gemalt, können wir die Träume für das nächste Jahr nun farbig gestalten. So, als würden wir ausmalen, was wir in diesem Jahr ins Leben gerufen haben! Ich freue mich auf ein tiefgehendes, spannendes und fröhliches Seminar mit Dir!

Wie im letzten Jahr erstreckt sich dieses Seminar über drei Termine, die nach Rücksprache auch einzeln wahrgenommen werden können. Silvester nutzen wir für die Rückschau und verabschieden, was wir loslassen wollen. Einen Tag nach Neujahr setzen wir unsere Ausrichtung für das neue Jahr fest, spüren, welche Potentiale es zu bieten hat und welche Unterstützungen es auf unserem Weg gibt. Die Aufstellungen am Dreikönigstag rundet das Seminar ab und helfen uns, unsere Absicht auf den Weg zu bringen.

Jahresabschluss am 31.12.2017 von 10-13 Uhr
Neujahrsauftakt am 02.01.2018 von 14-18 Uhr
Aufstellungstag zum neuen Jahr am 06.01.2018 von 10-18 Uhr

Der Seminarpreis beträgt 180 €. Teile können auch einzeln gebucht werden, Preise auf Anfrage. Das Seminar findet in meinen Räumen in der Badergasse 16 in Aschaffenburg statt.
Ich freue mich über persönliche Anmeldungen oder per Mail an coaching@andrea-schlauersbach.de. Anmeldeschluss ist der 23.12.2017.

Aufgeben ist keine Option – von Hilflosigkeit, Frustration und Hoffnung

Das Gesicht im Spiegel sieht müde aus, ausgelaugt und erschöpft, ganz anders als das Gesicht, das mir vor zwei Wochen noch aus dem Spiegel entgegenstrahlte, braun gebrannt, gut erholt und voller Tatendrang. Ich rede dem müden Gesicht gut zu, nehme die Augenringe zur Kenntnis und schmeiße spontan die Planung für diesen Vormittag über den Haufen. Bevor ich mich an die Arbeit setze, kümmere ich mich um mich, um die Verwüstungen, die der Sturm hinterlassen hat, der vor einer Stunden in mir tobte, als eins meiner Kind zum wiederholten Mal für diese Woche nicht aufgestanden ist, um in die Schule zu gehen. Ich werde mich um diese Gefühle von Hilflosigkeit, Frustration, Aggression und Weglaufen wollen kümmern, die sich in mir breit gemacht haben. Binnen Sekunden waren all diese Gefühle da, einfach nur, weil mir klar wurde, dass dieses Kind heute wieder im Bett liegen bleiben würde. Kommentarlos und sich aller Konsequenzen bewusst, scheinbar ohne Angst vor den Folgen, blieb es liegen und bat dadurch kein Ventil für all die Gefühle, die sich in mir über die letzten Jahre aufgestaut hatten (Anm. d. R.: kluges Kind).

Tief atmen, den Boden unter den Füßen spüren, und den Fokus ganz bewusst auf das lenken, was gerade gut ist, hat fürs erste geholfen, den Sturm der Gefühle nicht Überhand nehmen zu lassen. Es hat mich in den letzten Jahren viel Übung gekostet, meinen Unmut und meine Frustration nicht an meine anderen Kindern weiterzugeben. Zu oft haben die Geschwister den Frust zu spüren bekommen, der in mir durch das Verhalten eines Kindes ausgelöst wurde.  Doch heute früh konnte ich sogar die Umarmungen meiner Tochter annehmen und mich auf sie einlassen, obwohl ich für einen langen Moment so gerne die ganze Welt für meine miese Stimmung und diese wahnsinnig belastende Situation verantwortlich gemacht hätte. Anfänglich mühsam und dann immer besser ist es uns Eltern heute gelungen, die beiden Kinder, die in die Schule gegangen sind, liebevoll und ruhig auf ihren Weg zu schicken ohne sie zusätzlich mit unseren Sorgen und unserem Frust zu belasten (Anm. d. R.: gespürt haben sie es natürlich trotzdem).

Jetzt sitze ich alleine am Esstisch, habe meine Pläne für den Vormittag geändert und beobachte, wie sich mein innerer Ozean nach diesem heftigen Gefühlssturm langsam wieder beruhigt. Das intensivste Gefühl heute früh war das der Hilflosigkeit. Hilflos, weil ich den Eindruck habe, keine Lösung für mein Kind finden zu können, die ihm, seinen Bedürfnissen, unseren Bedürfnissen (Anm. d. R.: und Ansprüchen) und den Schulgesetzen in Deutschland gerecht wird. Seit Jahren treibt uns das Verhalten unserer Kinder weit aus der Komfortzone. Wir haben viele unserer Erwartungen und Überzeugungen über Bord geworfen, haben unsere Einstellung zum Leben, zur Kindheit, zur Schule immer wieder überdacht und sind immer noch nicht im ruhigen Fahrwasser angekommen. Wir haben schon so viel erreicht, mit dem festen Glauben an Lösungen, und weil aufgeben nie eine Option war. Dass unser ältestes Kind nun stabil, selbstsicher und mit großem innerem Antrieb durch sein Leben geht, war lange keine Selbstverständlichkeit. Nach fordernden Zeiten gab es viele gute Lösungen. Viel Grund zur Freude, aber heute bin ich so erschöpft, dass ich diese Freude nur schwach wahrnehmen kann. Ich wünsche mir Ruhe, endlich (inneren) Frieden und einen funktionierenden Alltag, und gleichzeitig weiß ich, dass ich dann in meiner Komfortzone bleiben würde. Dass ich mich dann viel leichter damit abfinden würde, dass Kindheit und Schulzeit in Deutschland halt so sind, wie sie sind. Und verglichen mit vielen Ländern auf dieser Welt, sind Kindheit und Schulzeit in Deutschland wirklich ein Paradies. Warum also nicht zufrieden sein, wenn alles einigermaßen rund läuft? Ja, vermutlich würde ich genauso denken und aufhören, die Dinge ändern zu wollen. Mich zufrieden geben, wenn da nicht dieses Kind wäre, das mich durch sein Verhalten immer wieder an den Rand des Wahnsinns treibt, mich immer wieder antreibt, aktiv zu werden, Lösungen zu suchen, die außerhalb des Bekannten liegen, neue Wege zu finden und zu gehen. An Tagen, an denen ich nicht so ausgelaugt bin wie heute, sehe ich die große Stärke und den Mut meines Kindes, sich nicht fügen zu wollen in Systeme und Bedingungen, die ihm nicht gerecht werden. Wir müssen neue Wege finden, um jedem Kind in seiner Entwicklung, in seinen Talenten, in seinem Sein gerecht werden zu können. Ja, Kindheit und Schulzeit in Deutschland sind viel weniger schlecht als in vielen anderen Ländern, und das weiß ich zu schätzen, aber es geht bei weitem noch besser! Ich hoffe, dass wir bald Lösungen für uns als Familie finden, und dass sich immer mehr Eltern öffnen für einen weiteren Blickwinkel auf Kindheit und Schule. Und so bleiben nach einem heftigen Gefühlssturm an diesem Vormittag das Gefühl von Hoffnung und die Überzeugung, dass wir auf einem guten Weg sind!

Pipi Langstrumpf hat einen Bruder oder das Leben mit autonomen Kindern

Pipi Langstrumpf ist eine der Figuren, die ich seit meiner Kindheit sehr mag. Stark, tapfer, unabhängig, dickköpfig, clever, selbstsicher, uneinschüchterbar, selbstständig, fantasievoll und viele andere Eigenschaften verbinde ich in meiner Vorstellung mit Pipi. Die Welt so zu machen, wie sie mir gefällt, oh ja, das hätte ich gerne getan. Nun, ich war in meiner Kindheit und Jugend keine Pipi. Ich war eher wie Pipis Freundin Annika. Und auch heute kostet es mich einige Überwindung und Anstrengung Pipi in manchen Dingen etwas ähnlicher zu werden und mich unabhängig zu machen von (überholten) Konventionen und der Meinung anderer.

Und damit stehe ich im krassen Gegensatz zu meinem Sohn, der in vielerlei Hinsicht problemlos als Pipis kleiner Bruder durchgehen könnte. Selbstbestimmung und Unabhängigkeit stehen ganz oben auf der Liste der Eigenschaften, die mein Kind schon im Windelalter auslebte. Konventionen scheinen für ihn generell nicht zu gelten, und anerkennen tut er sie nur dann, wenn sie für ihn Sinn machen. In gar keinem Fall würde er sich verbiegen, um zu einer Gruppe zu gehören oder um an einer Veranstaltung teilnehmen zu dürfen. Die unausgesprochene Ansage, die er jedem, der mit ihm zu tun hat, entgegenschickt ist „akzeptiere mich so wie ich bin, ich werde nämlich so bleiben! Auf jeden Fall aber werde ich mich nicht anpassen oder ändern!“.

Schon im Kindergartenalter hatte mein Sohn viel von der Welt begriffen und wusste mich in Diskussionen mit meinen eigenen Waffen zu schlagen. Ein Grund, warum ich mich nicht mehr auf Diskussionen einlasse, sondern sehr darauf achte, sinnvolle und authentische Grenzen zu setzten. Alles andere hätte keinen Bestand. Ähnlich wie mit Pipi kann ich mit ihm Pferde stehlen, solange wir am gleichen Strang ziehen. Er ist ein guter Ratgeber und Unterstützer wann immer Not am Mann ist, aber Dinge einfach zu tun, weil man sie so tut, dass funktioniert nicht.

Mit Abstand betrachtet hat mein Sohn viele der Eigenschaften, die ich in meiner Kindheit gerne gehabt hätte. Und nachdem ich dieses Kind nun schon seit einigen Jahren begleite, bin ich zunehmend stolz auf seine Unabhängigkeit und seine Unbestechlichkeit, aber es liegen harte Zeiten hinter uns.

Wenn eine Annika den kleinen Bruder von Pipi zur Welt bringt, rüttelt das erst mal gründlich an den Grundfesten der Mutter. Anpassung im Kindesalter ist häufig ein Weg, um mit möglichst wenig Reibung und mit maximal möglicher Anerkennung durch den Alltag zu kommen. Anerkennung für gutes (angepasstes) Verhalten, ordentliche Kleidung, leergegessene Teller, gemachte Hausaufgaben, gute schulische Leistungen und vieles mehr waren lange Bestandteil der Erziehung und sind es heute immer noch. Die Idee, von den Eltern dann die dringend benötigte emotionale Nähe und Liebe zu bekommen, wenn man brav ist und sich „richtig“ verhält, führt oft zu Einbußen der Integrität. Anpassung und Gefallenwollen werden zum Lebensstil und scheinen das emotionale Überleben zu sichern. Annika mag dann Pipi insgeheim noch bewundern, selber so leben würde sie aus Angst vor Ablehnung aber nicht.

Pipis Bruder triggert also die Überlebensmechanismen seiner Annika-Mutter. Diese glaubt nämlich, dass ihre Überlebensstrategie der Anpassung auch für ihren Sohn genau das richtige wäre. Sich für das Verhalten des eigenen Kindes zu schämen oder zu glauben, in der Erziehung völlig versagt zu haben, sind nur zwei Ausprägungen einer als existentiell empfundenen Angst. Als Mutter ist es nun logisch, jeden erdenklichen Schritt zu unternehmen, um das Kind an die eigenen Vorstellungen von richtigem Verhalten anzupassen. Belohnung, Strafe, Weinen, Flehen, Drohen, Bitten, alles ist gut, solange es zum Ziel führt. Was aber, wenn das Kind gegen all das immun ist? Wenn es bereit ist, jegliche Konsequenz wie Einsamkeit, Verweis, Ausschluss, Strafe usw. zu tragen, um sich nicht zu verbiegen? An dieser Stelle habe ich lange nicht mehr weiter gewusst und auch in Erziehungsbüchern und bei Beratungen wenig zielführende Ideen gefunden.

Bei Jesper Juul bin ich vor einiger Zeit auf den Begriff der autonomen Kinder gestoßen und finde ihn sehr treffend. Diese Kinder, die wie Pipis Geschwister wirken, wahren ihre Integrität um jeden Preis. Sie scheinen zu wissen, dass alles, was ihnen im Leben durch ihre „Rebellion“ passieren kann, nicht wirklich schlimm ist und zahlen aus unserer Sicht einen hohen Preis für ihr Verhalten. Viele von ihnen durchschauen das Spiel des Lebens in jungen Jahren tiefgründiger als mancher Erwachsene. Sie zu begleiten ist unaushaltbar anstrengend, wenn wir Eltern auf unseren Standpunkten beharren und nicht bereit sind, zu hinterfragen, was wir für richtig halten. Autonome Kinder zwingen uns regelrecht, jede Überzeugung im Kontext von Erziehung und Schule zu überdenken. Unsere Bereitschaft zu Reflexion und Veränderung ist täglich gefragt. Wenn wir zuhören und hinsehen, erinnern sie uns wieder an die Eigenschaften, die wir als Kind gerne gelebt hätten. Wenn wir es schaffen, diese in unser Leben zu integrieren, wird das Zusammenspiel mit unserem Kind leichter.

Inzwischen sehe ich die Begleitung meines Kindes als unglaubliche Chance für gemeinsames Wachstum. Meine Denkweise und mein Blick auf das Leben haben sich mit diesem Kind sehr verändert. Ich wünschte, viel mehr Erwachsene hätten diese Integrität und würden mit dem gleichen Mut für sie einstehen.

Ich bin überzeugt, dass wir bald herausfinden werden, wie wir gut mit unseren Kindern leben können ohne sie verbiegen zu wollen. Ein erster wichtiger Schritt ist in meinen Augen, ihre Stärke zu sehen und die Chance daran zu wachsen.

Haben Sie mir Ihrem Kind ähnliche Erfahrungen gemacht und sind Sie auf der Suche nach neuen Wegen für ein gutes Miteinander in der Familie? Dann freue ich mich, wenn Sie Kontakt zu mir aufnehmen!

Sei achtsam mit Dir und mir.

fotolia_78480101_subscription_monthly_m_mit-herkunft_ausschnittMit achtsamer Kommunikation zu einem wertschätzenderen Miteinander in Familie, Schule und Kindertagesstätte.

Ein vierteiliger Kurs für Eltern, Lehrer und Erzieher.

Die Idee:

Egal wie wir es machen, ob genauso wie die Generationen vor uns oder ganz bewusst anders, in stressigen Situationen verfallen wohl die meisten Eltern, Lehrer und Erzieher in altbekannte Muster. Häufig erzeugen wir dadurch viel Frust, noch mehr Stress und entfernen uns weit von unserer Idee eines wertschätzenden und kooperativen Miteinanders. Ziel des Kurses ist es, diese reaktiven Muster zu erkennen und mit Geduld und Übung durch unterstützende und bewusste Aktionen zu ersetzen.

Was wir tun:

Neben der Weitergabe von Ideen und Strategien für einen authentischen, respektvollen und wertschätzenden Umgang mit Kindern und Jugendlichen bietet dieser Kurs Raum für den Austausch über Ihre Erfahrungen mit den erlernten Kommunikationsmethoden und Zeit für praktische Übungen in kleinen Gruppen.

Wir treffen uns insgesamt viermal und sprechen unter anderem über diese Themen:

  • Wie spreche ich die lösungsorientierten Teile des Gehirns an?
  • Wie fördere ich Kooperationsbereitschaft durch meine Kommunikation?
  • Problemlösestrategien – Gibt es Alternativen zu Strafe und Konsequenzen?
  • Loben – pro und contra
  • Große Gefühle wie Zorn und ihre Auswirkungen auf das Gehirn Im Januar starten zwei parallele Kurse zu folgenden Terminen:

Kurs A: Donnerstags, 19:30 – 21:30 Uhr, Start am 19.01.2017

Kurs B: Dienstags,      9:00 – 11:00 Uhr, Start am 17.01.2017

Kosten: 90 € für den gesamten Kurs oder 25 € für einzeln gebuchte Termine, Paare zahlen zusammen 150 € für den gesamten Kurs.

Anmeldung bis zum 8.01.2017 per Email an coaching@andrea-schlauersbach.de. Die Anzahl der Teilnehmer ist begrenzt.

Gerne halte ich diesen Kurs auch an Ihrer Schule oder in Ihrer Kindertagesstätte.