Maskenpflicht im Unterricht – was tun?

Ab kommenden Dienstag gilt in bayerischen Schulen für vorerst neun Schultage für Schüler und Lehrer eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Eine gemeinsame Entscheidung der Landesregierung, der Schülervertretung und der Elternvertreter, die ebenso auf Zustimmung wie auf Kritik stößt. Die Menschen, Schüler wie Eltern, die ich in den letzten Tagen getroffen habe, waren recht einhellig der Meinung, dass sie sich eine andere Lösung gewünscht hätten und Masken im Unterricht für einen schlechten Kompromiss halten. Persönlich bin ich enttäuscht von dieser Entscheidung und sehe dem Beginn des Schuljahres mit Maske mit großem inneren Widerstand entgegen, sowohl als Mutter wie auch als Lehrerin. Schlechtere Konzentration durch geringere Sauerstoffversorgung, unhygienische Zustände durch zu lange und falsch benutzte Masken und erschwerte Kommunikation sind nur ein paar der Gründe, die aus meiner Sicht gegen das Tragen der Maske im Unterricht sprechen. Ich würde geteilte Klassen, wechselnde Anwesenheit und ausreichend Abstand im Klassenzimmer den Masken vorziehen. Wie also nun umgehen mit dieser Situation?

Die Maskenpflicht im Unterricht ist beschlossen und wird am Dienstag beginnen. In wieweit Schüler aus medizinischen Gründen durch ein Attest vom Tragen einer Maske befreit werden können, und was dies für den Schulbesuch bedeutet, muss individuell geklärt werden. Die allermeisten Schüler werden ab Dienstag mehrere Stunden täglich eine Maske tragen und versuchen mit dieser am Unterricht teilzunehmen. Wenn Sie mit dieser Situation einverstanden sind, werden Sie Ihrem Kind vermutlich sagen, dass diese Maßnahme zum Schutz der Mitmenschen und zum eigenen Schutz angemessen ist und das Tragen der Maske als sinnvoll verkaufen können. Wenn Sie, wie ich, nicht von der Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahme überzeugt sind, werden Sie sich schwer tun, Ihrem Kind das Tragen der Maske im Unterricht als sinnvoll zu verkaufen. Versuchen Sie dies am besten gar nicht erst und sprechen Sie authentisch mit Ihrem Kind. Vielleicht etwa so: „Ich selber stehe nicht hinter dieser Maßnahme, ich hätte mir etwas anderes für Deinen Schulstart gewünscht. Nun ist es beschlossene Sache, die Du nicht gut finden musst. Trotzdem ist es die geltende Regel, an die wir uns halten müssen. Wir probieren es aus und ich bin für Dich da, wenn es durch das Tragen der Maske zu Problemen kommt, versprochen.“

Achten Sie gut auf Ihr Kind, hören Sie ihm zu, wenn es aus der Schule berichtet, sich vielleicht über Kopfschmerzen beschwert, sehr müde ist nach der Schule oder anders auf das lange und regelmäßige Tragen der Maske reagiert. Vereinbaren Sie, wenn möglich, dass es sich jederzeit telefonisch melden kann, wenn es ihm in der Schule nicht gut geht und es abgeholt werden möchte. Sprechen Sie bei anhaltenden oder stärker werdenden Beschwerden mit Ihrem Kinderarzt. Nehmen Sie lieber Fehlstunden in Kauf als gesundheitliche Beeinträchtigungen durch das Tragen der Maske und planen Sie viel Zeit für Regeneration und frische Luft im Tagesablauf ein. Vielleicht braucht Ihr Kind nachmittags so viel Zeit für die Erholung, dass es am Anfang nicht alle Hausaufgaben schaffen kann oder diese nicht der Qualität entsprechen, die Sie sich wünschen. Seien Sie nachsichtig in dieser besonderen Belastungssituation und bleiben Sie im Gespräch mit Ihrem Kind. Bitte denken Sie auch daran, Ihrem Kind Masken zum Wechseln mitzugeben.

Zusätzlich halte ich es für wichtig, dass Sie Ihre Meinung kundtun, wenn Sie mit dem Tragen der Maske im Unterricht nicht einverstanden sind. Sie könnten eine Online-Petition unterzeichnen, eine Email oder einen Brief an die Regierung und an die Leitung der Schule Ihres Kinder schreiben und sich mit anderen Eltern austauschen. Alles Dinge, die vielleicht an der aktuellen Situation nichts oder nicht sofort etwas ändern, das stimmt. Trotzdem ist es wichtig, dass sichtbar wird, wie viele Familien sich eine andere Lösung als Masken im Unterricht wünschen.

Lernen für Noten vs. Lernen aus Interesse

Neues Schuljahr, neue Schule, neue Lehrerin. „Meine“ 5. Klasse ist in Mathe hoch motiviert, begeisterungsfähig und neugierig. Gemeinsam diskutieren wir, ob es eine größte natürliche Zahl geben kann, überlegen, wie wir den Schatz in einem Koordinatensystem finden können und verbringen viele gute Stunden miteinander.

Persönlich mag ich keine Abfragen und geben den Schülern bewusst das Gefühl, dass jede ernstgemeinte Antwort ein wertvoller Beitrag zum Unterricht ist, auch und gerade dann, wenn sie noch nicht sofort richtig ist. Die Kinder äußern sich frei und ohne Angst vor falschen Antworten. Einige Schüler und Schülerinnen haben kein besonders gutes Verhältnis zum Fach Mathematik, lassen sich aber gut einbinden und motivieren und verlieren zunehmend die Scheu.

Unsere ersten Schulwochen sind geprägt vom Lernen aus Interesse. Vom Interesse aneinander und vom gemeinsamen Interesse an der Materie. Für mich und für die Kinder sehr angenehme, interessante und erfüllte Stunden.

Der Lauf des Schuljahres bringt es mit sich, dass die „Schonfrist“ nun auch für die 5. Klasse vorbei ist und Abfragen, Stegreife und auch die ersten Schulaufgaben auf dem Plan stehen. Und seit einigen Tagen beobachte ich, dass sich das Lernverhalten der Kinder und ihr Umgang mit neuen oder als schwieriger empfundenen Inhalten verändert. Plötzlich steht da die Idee einer Beurteilung im Raum, plötzlich entsteht bei einigen Schülern die Angst, nicht gut genug zu sein und eine schlechte Note zu bekommen. Und auf einmal lernen meine Schüler nicht mehr, weil sie der Inhalt interessiert und sie sich für das Fach Mathematik begeistern lassen, sondern weil sie eine gute Note schreiben möchten. Schade, denn die Qualität des Unterrichts verändert sich damit dramatisch, und in meiner Wahrnehmung in keine positive Richtung. Die Fragen, die mir nun im Unterricht gestellt werden, zielen darauf ab, kleine Unsicherheiten zu beseitigen, um in der möglichen Bewertungssituation auch ja die richtige Antwort geben zu können und sind seltener geprägt vom Interesse mehr zu erfahren oder quer und vernetzt zu denken. Plötzlich scheint das Ergebnis, die Bewertung der nächsten Ex oder Schulaufgabe das Wichtigste zu sein.

Leider verändert sich nicht nur die Intention hinter den Schülerfragen, auch das Verhalten der Schüler hat sich innerhalb weniger Stunden verändert. Ich beobachte zunehmende innere Unruhe, Anspannung und Nervosität. Nicht nur in meiner Klasse, sondern auch in den Parallelklassen. Da Menschen Nervosität körperlich spüren und ausdrücken nimmt das Gekippel der Stühle, das unruhige Beschäftigen mit Schere, Papier, etc. während des Unterrichts aktuell deutlich zu. Kleine Sticheleien mit dem Nachbarn, um den eigenen Stress abzubauen führen zu mehr kleinen Konflikten, erhöhen die Unruhe in den Klassen und erzeugen damit noch mehr Stress. Stress, den ich als Lehrerin spüre, der sich mit meinem gefühlten Stress durch nahende Schulaufgaben und scheinbare Zeitknappheit im Lehrplan wunderbar verbindet, und mich emotional immer wieder unglaublich beeinflusst hat. Das Gefühl, gerade dann, wenn es wichtig scheint, z.B. vor einer Schulaufgabe, schwerer zu den Schülern durchdringen zu können, wichtige Informationen nicht mehr weitergeben zu können und vielleicht nicht genug mit der Klasse geübt zu haben, hat in mir lange immensen Stress ausgelöst. Erst in diesem Schuljahr erkenne ich bewusst, wie sich in dieser Phase des Schuljahres, wenn die Notengebung ihre volle Bandbreite entfaltet,  auch mein Lernfokus weg vom Lernen durch Interesse hin zum Lernen für möglichst gute Noten verschiebt.

Persönlich widerstrebt mir diese Art der „Wissensvermittlung“ absolut. Sie entspricht meiner Persönlichkeit und meinem Anspruch an meine Tätigkeit als Lehrerin in keiner Weise. Ich liebe mein Fach, ich brenne für die Mathematik, ich bin begeistert von dem, was dieses Fach logisch, strukturiert und an vielen Stellen hoch philosophisch und sehr elegant zu bieten hat. Ich diskutiere gerne mit Schülern über die Bedeutung der Unendlichkeit und über die Idee, dass sich zwei parallele Gerade in keinem Punkt, also nie schneiden oder auch nur berühren. Ich mag mathematische Abkürzungen wie die Potenzschreibweise und die clevere Anwendung von binomischen Formeln. Und diese Begeisterung möchte ich an meine Schüler weitergeben, möchte sie in ihnen wo immer möglich entfachen, Impulse geben und Interesse wecken. Darin sehe ich meine Aufgabe. Und ich bin überzeugt davon, dass Interesse und Neugier über kurz oder lang zu guten Noten führen. Vermutlich sehr viel nachhaltiger als das punktuelle Pauken für die nächste Schulaufgabe.

Darum werde ich in den nächsten Stunden mit meinen Klassen thematisieren, was der Unterschied zwischen Lernen mit Neugier, Offenheit und Interesse und dem Pauken für die nächste Schulaufgabe oder Abfrage ist. Und ich hoffe, dass wir es schaffen, in möglichst langen Phasen des Schuljahres mit Interesse und Begeisterung gemeinsam viel entdecken, entwickeln, herleiten, vernetzen und dadurch nachhaltig lernen zu können.

Newsletter der Eltern-Uni im Oktober 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

das neues Schuljahr ist nun auch in Bayern in vollem Gang, die regelmäßigen Familientermine sind koordiniert und so langsam stellt sich die Routine ein.  

Draußen wird es spürbar herbstlich und abends zieht es uns eher wieder in geschlossene Räume als in die Natur oder in den Biergarten. Vielleicht ein guter Zeitpunkt für einen Kurs oder Vortrag im neu gestalteten Raum der Eltern-Uni? Ich freue mich sehr, wenn Sie etwas interessantes in meinem Angebot finden und wir uns vielleicht demnächst wiedersehen. Viel Spaß beim Stöbern und Lesen und alles Gute!

       Ihre Andrea Schlauersbach

Die Eltern-Uni bekommt einen eigenen Raum

Wie im letzten Newsletter angekündigt, habe ich direkt nach meinem Urlaub zum Pinsel gegriffen und die Ideen für die Raumgestaltung in der Badergasse umgesetzt. Da ich Wände bisher immer weiß gestrichen habe, hatte ich noch keinerlei Erfahrung mit anderen Farben. So tastete ich mich in jedem Raum langsam an die Sache ran. Im Eltern-Uni Raum strich ich erst eine Wand grau, dann im Seminarraum eine Wand grün-grau, dann eine weitere Wand im Eltern-Uni Raum grau, usw. bis es mir am Ende gefiel. Jetzt sind die Räume fertig, z.T. neu eingerichtet und schon in Betrieb genommen. Am tollsten ist, dass die Eltern-Uni nun ihren eigenen „Unterrichtsraum“ hat und auch mein Praxisraum wieder über den Haupteingang an der Badergasse zugänglich ist. Dadurch kann der Seminarraum jetzt auch tagsüber von externen (Kurs-)Anbietern genutzt werden.

Die Bilder vermitteln einen ersten kleinen Eindruck von den Veränderungen.

Seminarraum Zentrum Mensch in neuem Look
Der neu eingerichtete Raum der Eltern-Uni
Der Praxisraum

Vorträge im Oktober 2019

Im Oktober dreht sich (fast) alles um das Thema Schule.

Für Schulkind-Eltern und für alle Menschen, die sich für das Thema Lernen interessieren, gibt es am Donnerstag, den 24.10.2019 um 20 Uhr den Vortrag „Lernen – Tipps, Strategien und Unterstützungen“, der alltagstauglich und praxisnah vermittelt, wie Lernen leichter gelingen und mehr Spaß machen kann. (weitere Infos…)

Außerdem spreche ich bei zwei externen Veranstaltungen zum Thema „Ideen und Impulse für einen harmonischen Alltag rund um Hausaufgaben und Lernen“. Am Mittwoch, den 9.10.2019 um 19:30 Uhr im Familienstützpunkt Schweinheim (Infos und Anmeldung…) und am Dienstag, den 15.10.2019 um 18 Uhr im Rahmen des vom Landratsamt organisierten Angebots „Zeit für Elternfragen“ im Mehrgenerationenhaus Johannesberg (Infos und Anmeldung…). Auch hier freue ich mich, bekannte Gesichter zu sehen! Die Anmeldung erfolgt direkt über den jeweiligen Veranstalter.

Kurse und Vortrag im November 2019

Im November steht das Miteinander in der Familie im Vordergrund. Neben einer bewussten und wertschätzenden Kommunikation beschäftigen wir uns mit Wegen zur mehr Gelassenheit im Familienalltag und einfachen kinesiologischen Werkzeugen, die den Familienalltag erleichtern können. Im Vortrag geht es dann im emotionale Stabilität in stressigen Zeiten. Dieser richtet vor allem an Menschen, die bisher noch nicht an einem Kurs an der Eltern-Uni teilgenommen haben, also z.B. an die Mamas und Papas, deren Partner bereits in einem Kurs waren.

Der September war so voll, dass wir den Start des Kommunikationskurses auf November verschoben haben. Der Grundkurs „Bewusste Kommunikation mit Kindern“ mit vier Kursabenden startet daher nun am Mittwoch, den 06.11.2019 um 20 Uhr.

Hier beschäftigen wir uns mit den Möglichkeiten liebevoller, wertschätzender und effektiver Kommunikation, die uns hilft, die Verbindung zu unseren Kindern auszubauen und Kooperation zu wecken. Der Kurs ist für Eltern mit Kindern jeden Alters geeignet. (weitere Infos …)

Woman is getting physical therapy from a professional doctor

Die Kinesiologie bietet viele einfache Werkzeuge, die uns und unseren Kindern helfen können, Stress abzubauen, emotionale Ladung zu neutralisieren, den Energiefluss im Körper anzuregen, unser Gehirn auf das Lernen einzustimmen, leichter einzuschlafen, u.v.m. Der Kurs „Kinesiologie im Familienalltag“ vermittelt einige dieser Techniken alltagstauglich an drei Kursabenden. Kursstart ist am Donnerstag, den 7.11.2019 um 20 Uhr. (weitere Infos …)

Der Kurs „Für mehr Gelassenheit, Leichtigkeit und Freude im Familienalltag“ – Grundkurs  ist wohl der „Klassiker“ an der Eltern-Uni. Er startet am Dienstag, den 26.11.2019 um 20 Uhr.

Kann Gelassenheit und Familienalltag zusammen passen? Vielleicht ja sogar besser als allgemein erwartet, zumindest dann, wenn wir erkennen, was Stress in uns und unseren Kindern auslöst und wie wir mit diesen Situationen anders umgehen können. (weitere Infos …)

Vortrag „Emotionale Stabilität auch in stressigen Zeiten“ am 12.11.2019 um 20 Uhr. Ein guter Vortrag für „Einsteiger“ oder für alle, die sich wieder erinnern und erlerntes auffrischen wollen.

Was sorgt eigentlich dafür, dass wir unsere emotionale Stabilität verlieren? Wer oder was löst Stress in uns aus? Und was können wir tun, um unser emotionales Gleichgewicht wieder zu gewinnen oder – noch besser –  seltener zu verlieren?  (weitere Infos …)

Weitere Infos zu diesen und weiteren Veranstaltungen gibt es unter www.andrea-schlauersbach.de.

Termine im Zentrum Mensch – Aufstellungstage, Seminare und mehr

Heiliges weibliches Bewusstsein – ein Workshop mit Irene Klage für alle Frauen, die sich durch dieses Thema angesprochen fühlen vom 11. – 13.10.2019 im Zentrum Mensch. „Frauen sind die Hüterinnen der Menschlichkeit“ und „Du kannst nicht geben, was Du nicht besitzt“ sind nur zwei ganz kurze Einblicke in die Seminarbeschreibung, die hier ausführlich auf meiner Homepage zu finden ist. Eine Anmeldung ist noch bis Montag, den 7.10.19 möglich.

Der nächste Aufstellungstag finden am 10.11.2019 von 10 – 18 Uhr statt. Nach wie vor ist die Aufstellungsarbeit, gerade in Verbindung mit Kinesiologie, eins der effektivsten Werkzeuge unserer Zeit, um Dynamiken im eigenen Leben erkennen und bewusst gestalten zu können. Denn nicht immer ist alles im Leben ist so, wie es scheint. (Weiterlesen…)


Das Seminar zum Jahreswechsel hat bereits Tradition im Zentrum Mensch.

Es richtet sich an alle, die das endende Jahre bewusst abschließen möchten, um fokussiert, zielgerichtet und gestärkt in das neue Jahr zu starten.

Der Jahresabschluss findet am Sonntag, den 29.12.2019 von 10 – 18 Uhr statt, der Jahresauftakt am Samstag, den 04.01.2020 von 10 – 15 Uhr. (Weiterlesen…)

Immer mal wieder Pause machen

Gerade waren noch Ferien, der Familienalltag verlief langsamer, mit weniger Verpflichtungen, mit mehr Langeweile, mehr gemeinsamer Zeit und weniger Raum für Arbeitsprojekte, o.ä.. Und nur wenige Tage nach dem Start des Schuljahres fühlt es sich so an, als wären niemals Ferien gewesen.

Wie in jedem Jahr hat uns die Welle aus Terminen, Besorgungen und Verpflichtungen einfach überrollt. Widerstand zwecklos. Der Wechsel zwischen Ferien und neuem Schuljahr ist in jedem Jahr für alle Beteiligten wieder ein krasser Umbruch, begleitet von Gefühlen wie Müdigkeit, Termindruck und zeitweiser Überforderung.

Meine persönliche Herausforderungen in diesen Zeiten ist jedes Mal, den Unterschied zwischen „Funktionieren“ und „Leben“ für mich klar zu sehen. Ausreichend viele und bewusst genommene Pausen können dann dafür sorgen, dass ich mich und meine Bedürfnisse wahrnehmen und spüren kann. Da ich von Kindheit gut funktioniert habe, spüre ich immer noch recht spät, dass ich beginne zu „funktionieren“ und merke häufig nur an meiner immer schlechter werdenden Laune und meiner zunehmenden Destruktivität, dass ich mir zu wenig Zeit für Ruhe, Entspannung, Kreativität, Langeweile, Verbindung, etc. genommen habe. Aber ich lerne immer weiter dazu.

Darum klappt es in diesem Schuljahr bisher recht gut zu erkennen, wann und wo Pausen notwendig sind. Wann ein Spaziergang mit dem Hund gut tut, wann eine ausgedehnte Kuscheleinheit die wichtige Nähe zwischen mir und meiner Tochter bringt, wann eine Tasse Tee dafür sorgt, runter zu kommen und in Ruhe über nächste Schritte nachdenken zu können. Wann ein Roman oder Film oder ein forderndes Training dafür sorgen, den Kopf frei zu bekommen.

Noch fordert es einiges an Selbstdisziplin von mir, meine Pausen genauso wichtig zu nehmen, wie meine geliebte Arbeit oder meine sonstigen Verpflichtungen, aber es gelingt mir immer leichter. Zum Glück läuft die Arbeit ja eigentlich auch nie weg und nur die wenigsten Dinge im Alltag müssen sofort erledigt werden. Vieles geht nach einer Pause mit besserer Laune und einem guten Gespür für sich selbst sogar deutlich leichter. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele erholsame Pause zum Auftanken!

Ihre Andrea Schlauersbach

                                                                                                                    

Newsletter der Eltern-Uni (www.die-eltern-uni.de), ein Projekt von Andrea Schlauersbach, Kinder-, Jugend- und Elterncoach, Badergasse 16, 63739 Aschaffenburg, Tel.: 06021 / 58 130 80.

Von Frust und Vollkommenheit

Irgendwann im Frühjahr 2018

Ich sitze in der Sporthalle und beobachte frustriert das laufende Training. Vor wenigen Jahren habe ich wieder begonnen aktiv Sport zu treiben, habe monatelag heftigen Muskelkater nach jedem Training in Kauf genommen und mich über jeden kleinen körperlichen und sportlichen Fortschritt gefreut. Ich habe gelernt und trainiert, Prüfungen abgelegt und Ausbildungen absolviert, an die ich vor 5 Jahren nicht im Traum gedacht hätte.

Und dann begann vor einem Jahr mein Trainingsloch. Zwar habe ich regelmäßig selber Training gehalten, aber aus verschiedensten Gründen selber immer unregelmäßiger trainiert. Jetzt bekomme ich die Quittung dafür. Vieles habe ich vergessen, muss es wieder aktivieren, körperlich fühle ich mich nicht mehr fit, kann mit denen, die früher gemeinsam mit mir trainiert haben nicht mehr mithalten und ertappe mich bei der Idee, dass ich keine Lust mehr habe, wieder von vorne anzufangen. Was andere scheinbar so aus dem Ärmel schütteln, muss ich mir erarbeiten und verstehen, bevor ich lernen kann, es umzusetzen. Ich schiebe Frust, fühle mich schlecht in dem, was ich tue und wie ich es tue, schäme mich dafür und überlege hinzuschmeißen, vielleicht ein anderes Hobby, einen anderen Sport zu suchen.

Auf dem Rückweg vom Training sitze ich im Auto, und endlich laufen die Tränen. Tränen der Verzweiflung, Frusttränen, Tränen der Erschöpfung und der Ratlosigkeit, alles auf einmal, und mir wird auf einen Schlag klar, dass diese Tränen bei weitem nicht nur meiner Gefühlslage während des Trainings entstammen, sondern ihren Kern darin haben, dass ich mich noch nie zuvor in meinem Leben so unvollkommen in allem gefühlt habe, was mich und mein Leben ausmacht. Ganz plötzlich ist da der Gedanke, dass ich weder beruflich, noch familiär, noch in Freundschaften und Beziehungen und auch nicht sportlich das Potential lebe, das ich glaube zu haben und gerne leben würde. Mein ganz normaler Alltag, die vielen Themen mit unseren Kindern, gesundheitlich oder schulisch, kosten Kraft, Zeit und Energie, erschöpfen mich immer wieder und lassen wenig Raum für Träume und deren Realisierung. Ich fühle mich eingeengt und beschnitten in der Möglichkeit mich und meine Potentiale zu leben und bin frustriert.

Am liebsten würde ich hinschmeißen, ohne zu wissen, was ich hinschmeißen könnte oder würde.

Am liebsten würde mich aus der Affäre ziehen und irgendwie, irgendwo ganz für mich nochmal anfangen. Aber womit?

Vermutlich würde ich egal wo und wann und egal auch in welchem Bereich nach einem Neuanfang wieder nach dem streben, nach dem ich mich so sehr sehne, nach dem Gefühl von Vollkommenheit. Nach dem Gefühl, ganz zu sein, nach dem Gefühl eins zu sein.

-„Das Vollkommene ist ein „Volles“, eine Fülle möglicher Anteile, zu der kein weiterer Anteil mehr fehlt.“, Wikipedia-

Ich würde also vermutlich immer wieder in Situationen wie dieser landen, frustriert, weil ich mich so unvollkommen fühle, so als würden wichtige Teile von mir fehlen. Damit ist die Idee eines Neuanfangs obsolet und eine genauere Analyse der aktuellen Situation angebracht.

Meinen Klienten würde ich in solchen Phasen raten, ihre Aufmerksamkeit bewusst auf all das zu richten, was sie zufrieden macht, was ihnen gut tut, wo und wann sie sich vollkommen und ganz fühlen. Und sie würden solche Dinge und Situationen in ihrem Leben finden, so wie ich, wenn ich mir erlaube, in diese Richtung zu denken.

Mir ist klar, dass wir als Familie so viel geschafft und erschaffen haben in den letzten Jahren und damit viele Veränderungen und Denkansätze in unser Umfeld gebracht haben, in einer Form, die vollkommener kaum sein kann.

Auf vollkommene Weise folgen wir unserem Weg durch dieses Leben, leben jeder für sich und alle gemeinsam unseren Seelenplan, bieten Denkanstöße und erschaffen Heilung und neue Perspektiven. In vollkommener Weise ergeben sich die Situationen, die unserem Wachstum und der Veränderung dienen. Scheinbar zufällig fällt ein Puzzleteil neben das andere und gemeinsam ergeben sie ein immer klareres Bild. Allein mein Werdegang von der Geburt bis heute könnte perfekter nicht sein für das, was ich hier als meine Aufgabe betrachte.

Mein Alltag ist seit Jahren meine Schulung und meine Fortbildung. Wo andere Entspannung und Erholung finden, lerne ich. Meine Erholung finde ich während Seminaren und Fortbildungen fern von meinem Alltag 😉

Jeder Schritt, den ich bisher gegangen bin, führte zu einem wichtigen weiteren Schritt, und so folgen die Schritte vollkommen aufeinander, in der richtigen Reihenfolge und auch im richtigen Abstand, um eine bestmögliche Entwicklung zu ermöglichen.

Es ist alles da, es läuft alles nach Plan. Es strebt alles nach Vollkommenheit. Und die Idee, genau dieser so fern zu sein, bedeutet zum einen ein tieferes Gespür für die aktuelle Situation und zum anderen das Bevorstehen eines nächsten wichtigen Schrittes. Und so treffe ich hiermit die Entscheidung, meine Vollkommenheit in diesem Leben zu leben!

Von Elternschule, Zwang, Strafen und meinem Umdenken

Zumindest in den sozialen Netzwerken findet ein Film mit dem Namen Elternschule derzeit große Beachtung und wird von vielen Menschen mit Erschütterung aufgenommen. Da ich den Film (noch) nicht selbst gesehen habe, kenne ich bisher nur den Trailer und die vielen Stimmen aus dem Internet, die mit Entsetzen auf diesen Film reagiert haben.
Auch mir lässt alleine die Idee dieses Films keine Ruhe, zeigt er doch, wie Kinder dazu gebracht werden sich besser, d.h. gehorsamer zu benehmen, besser, d.h. alleine einzuschlafen, und vieles mehr. Die verwendeten Methoden sind lange bekannt, über Generationen erprobt und stecken auch mir in meinen erzieherischen Genen. Und das ist es, was eine gewissen innere Unruhe in mir auslöst. Denn allein die Existenz dieses Films ist es nicht, dieser polarisiert und passt damit genau in eine Zeit, in der die Dinge, die schon lang real aber eher vorborgen waren, ganz klar sichtbar werden.

Auch unsere Erziehungs- und Bildungslandschaft ist im Umbruch, und dieser Film macht deutlich, wie viel altes Denken uns noch in den Knochen steckt. Und wie oben schon erwähnt, gehe auch ich mit diesem Film in Resonanz. Erschreckend? Nein, für mich nicht mehr, denn ich habe inzwischen verstanden, warum ich Bücher wie „Tyrannen müssen nicht sein“, „Die Tigermutter“, u.a. faszinierend und abstoßend zugleich finde. Ihnen allen liegt der Wunsch zugrunde, Kinder auf die Spur zu bringen, sprich, sie folgsam zu machen, vermeintlich, um später ein erfolgreicher und gut funktionierender Teil unserer Gesellschaft zu werden und darin ihr Glück zu finden.

Als Mutter kann ich diesen Wunsch nicht nur nachvollziehen, sondern auch ich habe mir lange ein „normales“, angepasstes und vermeintlich glückliches Leben für meine Kinder gewünscht. Viel wichtiger aber als alle guten Wünsche für die Zukunft meiner Kinder war mir ein gut funktionierendes Alltagsleben. Und zwar in dem Takt und Rhythmus, den wir Eltern vorgaben. Da ich selber als Kind recht problemlos funktioniert habe, erwartete ich das Gleiche von meinen Kindern. Für mich war ganz klar, dass sie meinen Ansagen und Erwartungen folgen würden, das bedeutete für mich damals Erziehung. Als sie nicht folgten, geriet ich in unvorstellbaren Stress. Gefühle von Machtlosigkeit und Ohnmacht stellten sich mehr und mehr ein, was dazu führte, dass die Methoden, mit denen ich meine Kinder zum „folgen“, bzw. zum Gehorsam „überreden“ wollte immer krasser wurden. Eine Spirale aus Ohnmacht und immer heftigeren Sanktionen nahm ihren Lauf. Bald schlug das Gefühl von Ohnmacht in Wut um, die sich in regelmäßigen lautstarken und beidseits sehr verletzenden Auseinandersetzungen mit den Kindern ihren Weg aus meinem Körper suchte. Ein Zustand, der für alle Beteiligten verletzend, kraftraubend und frustrierend war. In diesen Tagen wusste ich nicht, wie ich die Situation hätte verändern können. Ich hatte dafür kein Vorbild, niemanden, mit dem ich mich darüber hätte austauschen können oder wollen und war der Überzeugung, dass Strenge, Konsequenz, Regeln und deren unbedingte Einhaltung und Umsetzung der beste Weg aus unserer Situation wären. Und ganz unten schlummerte der Wunsch, einmal im Leben endlich in der Rolle zu sein, in der ich das Sagen habe, in der andere tun, was ich für richtig halte. Und die Wut darüber, dass ich mich wieder ohnmächtig fühlte, dass meine Ideen nicht realisierbar waren, dass meine Kinder und damit mein Alltag nicht funktionierten, wurde ständig größer, die Wutausbrüche häufiger und irgendwann schrie ich meine Kinder schon auf dem Weg vom Kindergarten nach Hause an, obwohl wir uns gerade erst nach stundenlanger Trennung wieder gesehen hatten.

Ja, ich verstehe, wenn Eltern in ihrer Verzweiflung, in ihrem Gefühl von Ohnmacht, in ihrer Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit nach Wegen suchen, die ihre Kinder und ihren Alltag wieder in die Spur bringen. Und Teile von mir halten in meinen hilflosesten Momenten hartes Durchgreifen und Druckmittel immer noch für einen effektiven Erziehungsansatz.

Ja, ich verstehe, dass es Menschen gibt, die diesen Film für gut halten und die gezeigten Methoden für angemessen und gehöre heute zum Glück selber nicht mehr dazu.

Ich habe bitter erfahren, dass es Kinder gibt, die sich nicht brechen lassen, denen du jegliche Strafe aufdrücken und alle Privilegien nehmen kannst, und die dann immer noch nicht tun, was du willst. Und spätestens dann wissen auch die Methoden, die auf Zwang, Strafe und Liebesentzug setzen, nicht mehr weiter. Und an dieser Stelle erst begann mein Umdenken. An diesem Punkt war ich erst soweit, mir Hilfe zu holen, mich um mich selber zu kümmern. Herauszufinden, warum Gefühle wie Hilflosigkeit, Ohnmacht, mangelnde Wertschätzung, u.a. so heftige emotionale Reaktionen in mir auslösen. Ich begann zu verstehen, warum ich soviel brüllte und ich lernte nach und nach andere Weg kennen, um meine Wut und Verzweiflung zu kanalisieren. Ich lernte empathischer und liebevoller mit mir umzugehen und es gelang mir langsam, dies auch wieder mit meinen Kindern zu sein. Ich erkannte, dass es in der Erziehung nicht um Macht geht, sondern um ein Miteinander. Dass das Ernstnehmen der Wünsche meiner Kinder nicht bedeutet, sie auch erfüllen zu müssen. Dass ich es aushalten kann, wenn meine Kinder mal unzufrieden mit mir sind, weil ihr Wunsch nicht in Erfüllung geht, dass ich ihre Unzufriedenheit sogar sehen und spiegeln kann, ohne mich dadurch angreifbar oder manipulierbar zu machen. Ich verstand, dass meine Kinder mich authentisch brauchten, mich, so wie ich wirklich bin und nicht so, wie ich dachte, dass eine konsequente Mutter sein müsste. Ich verstand, dass liebevolles Begleiten natürlich auch was mit dem Setzen von Grenzen zu tun hat, aber dass diese Grenzen sehr individuell und in erster Linie meine ganz persönlichen Grenzen sind. Und ich nahm zum ersten Mal wahr, wie sehr ich die Grenzen meiner Kinder ohne mit der Wimper zu zucken überschritten hatte, ständig und immer wieder. Ich hatte versucht, meine Kinder folgsam zu machen, wenn es sein musste, in ihrem Willen zu brechen und mich gewundert, dass sie diesen Stress an den nächst Schwächeren (Geschwister) weitergaben.

Es hat gedauert, Monate, Jahre, um aus den alten Denk- und Verhaltensmustern heraus zu kommen. Es war Arbeit, bewusste, mitunter anstrengende und herausfordernde Arbeit. Es hat weh getan, vor allem, weil all das nur geht, wenn man ehrlich zu sich selbst ist, wenn man sich seinen Verletzungen und emotionalen Schmerzen stellt, wenn man sich aus seiner Komfortzone bewegt. Es hat gedauert – und es hat sich so gelohnt! Diese Jahren waren bestimmt die forderndsten in meinem Leben, oft auch die traurigsten und gleichzeitig die, die mich am meisten verändert haben. Die Jahren, in denen ich immer besser verstanden habe, wer ich eigentlich bin und warum ich so bin, wie ich bin. Jahre, in denen ich innerlich gewachsen bin und vielleicht endlich erwachsen wurde.

Ja, ich kann verstehen, dass Erziehungsmethoden wie im Film Elternschule immer noch Anhänger finden, und ich freue mich über jedes Elternteil, das bereit ist, es anders zu machen. Ich freue mich über jeden Menschen, der Kindern empathisch, liebevoll und auf Augenhöhe begegnet und sie mit dem Herzen sieht. Erziehung bedeutet für mich nicht, Kinder auf irgendeine Spur zu bringen, sie auf Leistung und Erfolg zu trimmen oder sie im Alltag zum Funktionieren zu bringen. Erziehung bedeutet für mich, Kinder beim Großwerden zu begleiten, ihnen zuzuhören, ihre Bedürfnisse und Wünsche kennenzulernen, ihre Träume zu sehen, ihre Gefühle zu tolerieren und zu achten und ihnen ein authentisches und liebevolles Vorbild zu sein. Wenn ich meinen Kindern eine Richtung für ihr Leben geben wollten, dann würde ich ihnen sagen: „Folge Deinem Herzen. Finde heraus, was Dich glücklich macht. Finde heraus, wo Dein Platz auf dieser Welt ist und welchen Beitrag und welche Potentiale Du in diese Welt trägst.“

Ich bin sooo wütend, aber auf wen oder was?

Montag, früh am Morgen. Zeit aufzustehen, die Kinder zu wecken und den Tag zu beginnen. Wir sind gut in der Zeit und solange das Bad belegt ist, schaffe ich es, den ein oder anderen Sonnengruß zu machen, sehr zur Freude unseres Hundes. Alles scheint gut. Wir frühstücken und die ersten beiden Kinder verlassen das Haus pünktlich in Richtung Schule. Im Briefkasten liegt ein Brief meines Arbeitgebers mit der Bitte, die Datenschutzerklärung zu unterschreiben und zurückzuschicken, damit mein Vertrag verlängert werden kann. Ich freue mich. Endlich scheint es klar, dass ich auch im nächsten Schuljahr einige Stunden unterrichten kann. Dass unser drittes Kind auf meine Weckversuche nur mit Grummeln und Stöhnen reagiert und sich demonstrativ in seinem Hochbett umdreht, scheint aushaltbar. Wieder ein Tag ohne Schule für ihn, ein blödes Spiel, das noch immer kein Ende nimmt.

Mit der unterschriebenen Datenschutzerklärung mache ich mich auf den Weg in „meine“ Schule und hoffe Näheres über das nächste Schuljahr zu erfahren. Fehlanzeige. Selbst wenige Tage vor dem Beginn der großen Ferien kann mir niemand sagen, ob es im nächsten Schuljahr Stunden für mich gibt oder nicht. 

Eine blöde Situation, die mich mit Tränen in den Augen aus der Schule gehen lässt. Draußen angekommen merke ich, wie viel Wut hinter diesen Tränen steckt, wie viel alte und auch sehr kindliche Wut in dieser unklaren Situation den Weg ans Tageslicht findet. Ich nehme mir Zeit und spüre diesem Gefühl nach, marschiere stampfend und spürend in Richtung  Praxis, im Wissen dort Raum und Ruhe zu finden, um mich um mich und meine Wut zu kümmern. Es gelingt mir die Wut zu kanalisieren und in Produktivität umzusetzen, und so schwinge ich den Putzlappen, reinige im Außen und lassen meine Gedanken und Gefühle fließen.

Meine Wut richtet sich auf alles Mögliche, auf mein Kind, das wieder einmal nicht funktioniert und sich weigert in die Schule zu gehen, auf meinen Mann, der genauso wenige Lösungen zu bieten hat wie ich, auf die Schule, ohne die wir viele unserer Probleme gar nicht hätten, auf die Behörden, die Menschen wie Ressourcen verplanen und glauben, alle Welt springt, sobald nach ihnen gepfiffen wird, auf die vielen Kollegen, die dieses Spiel seit Jahrzehnten mitspielen, klagend vielleicht, aber letztlich ohne Konsequenz, auf die vielen Eltern, die sich immer wieder über Schule beschweren und doch nicht aktiv werden, auf die vielen Familien, in denen der Alltag scheinbar gut funktioniert, auf mich, weil ich noch keine Lösung für unseren Sohn gefunden habe, auf meine Wut auf mich, weil ich weiß, dass ich keinen Grund habe, auf mich wütend zu sein und ganz am Ende dann auf diese Gefühl von Ohnmacht, das mir suggeriert, ich könnte gar nichts ändern. Und dann reißt der Wutstrom ab, denn an dieser Stelle sitzt er, der tiefe Schmerz, aus Zeiten, in denen ich vielleicht wirklich noch nichts ändern konnte oder die Außenwelt mir klarmachte, ich könne nichts ändern.

Dieser versteckte Schmerz aus Kindheitstage, der der Preis dafür war, sich mehr oder weniger bereitwillig in Systeme zu fügen, die suggerierten zu wissen, was das Beste für mich sei und wie ich zu sein hätte. Dieser Schmerz aus Zeiten, in denen Widerspruch schmerzhafter schien als Anpassung, in denen hinter jeder Ecke eine negative Konsequenz für vermeintliches Fehlverhalten wartete und Grenzüberschreitungen konsequent geahndet wurden. Aus einer Zeit, in der ich mir durch erwünschtes Verhalten eine Reihe Privilegien erarbeitet hatte, die ich nicht wieder verlieren wollte. Ich bin wütend auf mich, weil ich mich als Kind klaglos in das Machtgefüge in Schule und Erziehung gefügt habe und so oft tat, was man von mir erwartete, obwohl es mir innerlich widerstrebte. Nichts Schlimmes, die normalen Dinge, die von Kindern erwartet werden eben, aber gefühlt immer aus der Position des Aufforderungsemfängers und nicht aus einer Position des Miteinanders. Viel zu häufig einfach als „Ansage“, der Folge geleistet werden sollte, weil die zu befürchtenden negativen Konsequenzen bei Nichtbefolgung schlimmer waren, als der Aufforderung einfach nachzukommen.

Rückblickend eine verheerende Konstellation, denn den konstruktiven Umgang mit Situationen, in denen ich anderer Meinung war oder etwas anderes gebraucht hätte, habe ich so nicht gelernt. Und so erlebe ich dieses Gefühl von Ohnmacht und Fremdbestimmung noch heute und kann jetzt erst realisieren, wie wütend ich als Kind auf dieses ungleiche Machtgefüge in der Schule und in der Erziehung allgemein war und wie viel mehr Miteinander und Augenhöhe ich dringend gebraucht hätte. Jetzt, als erwachsene Frau und Mutter, gilt es neu zu lernen, das Gefühl von Ohnmacht zu erkennen und zu realisieren, dass ich in jeder Situation mitbestimmen kann, auch, wenn es sich erstmal nicht so anfühlt. Und auch, wenn es vielleicht nicht immer gleich große oder komplette Lösungen gibt, kann ich selbstbestimmt kleine Schritte gehen und dabei wieder spüren, wie ich selber in der Lage bin, mein Leben und meinen Alltag zu gestalten.

Ganz konkret heißt das, dass ich entscheiden kann, ob ich mich der langen Warterei auf eine mögliche Stundenzuteilung an der Schule aussetze oder aktiv einen neuen beruflichen Plan entwerfe. Ich kann entscheiden, wie ich meinen Sohn und unsere Familie in der schwierigen Situation mit Schule unterstütze, damit wir klarkommen. Ich kann mir Unterstützung holen, die ich brauche und ich kann mich jederzeit aktiv mit meinen Gefühlen auseinander setzen, mir selber zuhören, alten Stress erkennen und konstruktiv damit umgehen, um mein Leben so zu gestalten, wie es für mich am besten passt.

Am Ende bleibt ein Haufen kindlicher Wut, die gesehen werden möchte, und um die ich mich kümmere. Mein inneres Kind braucht einen Zuhörer, jemanden, von dem es sich verstanden fühlt. Als Erwachsene kann ich dieser jemand sein. Ich werde zuhören, wertschätzend, liebevoll und urteilsfrei, ich werde da sein. Und wenn die Zeit reif ist, werde ich mit meinem inneren Kind an der Hand Situationen anders angehen, gestaltend und nicht ohnmächtig, über den Tellerrand schauend, konstruktiver und spielerischer als jemals zuvor.

Von Wellentälern und dem Weg da raus

Ostermontag, der Regen läuft an den Fensterscheiben runter, der Himmel ist grau, die See vor dem Fenster des Ferienhauses ist unruhig. Außer dem Ticken der Uhr hinter mir ist es ruhig. Der Hund schläft und meine Familie ist zu einem Ausflug aufgebrochen, heute mal ohne mich.

Seit Wochen hatte ich mich auf diesen Urlaub gefreut, hatte Erholung, Sonne, Meer und Zeit am und auf dem Wasser herbeigesehnt. Trübsal, Albträume in den Nächten und schlechtes Wetter hatte ich nicht eingeplant, und so erwischte ich mich gestern bei dem Gedanken, nur noch wenige Tage hier sein zu müssen, bevor ich wieder nach Hause fahren kann. Dabei gibt es außer dem regnerischen Wetter, das durchaus jeden Tag trockene Stunden bietet, in denen man etwas unternehmen kann, nichts zu beanstanden. Das Ferienhaus ist schön, das Essen gut, die familiäre Stimmung heiter, selten wolkig und oftmals sehr entspannt. Keiner hat mir etwas getan, äußerlich passt alles. Und gleichzeitig fühle ich mich seit längerem wieder völlig sinnlos, überlege mir, was ich hier (im Urlaub) eigentlich mache, wenn ich es doch nicht wirklich genießen kann, und was ich hier (auf der Erde) eigentlich mache, weil ich mir wieder mal nicht sicher bin, was für eine Aufgabe ich hier eigentlich habe und wo mein Platz ist. Ich bin grüblerisch, wenig in der Gegenwart und viel mit allem möglichen beschäftigt. Ich habe merkwürdige diffuse Ängste, wie ich sie schon ewig nicht mehr gespürt habe, bin in Situationen nervös, in denen ich meist sehr gelassen bin, bemuttere meine Kinder an merkwürdigen Stellen mehr als gewohnt und ernte nicht selten einen liebevollen aber irritierten Blick dafür. Ich träume nachts komische Dinge, werde zu Unzeiten wach, vermische die Umgebungsgeräusche mit meinen Träumen und bin morgens alles andere als ausgeruht. Unterm Strich gefühlsmäßig ein verdammter Tiefpunkt.

Der Vollmond am letzten Wochenende und die aktuelle Energie tun bestimmt wie so oft ihr übriges zu meiner derzeitigen Befindlichkeit. In letzter Zeit beobachte ich häufiger, dass sich meine inneren Themen mit zunehmendem Mond aufzubauen scheinen, klarer und intensiver werden, ich sie aber erst kurz nach dem Vollmond benennen kann, um dann absichtsvoll mit ihnen umzugehen. Gestern Abend (Ostern, der Tag nach Vollmond) ist mir beim Beobachten meiner Gedanken klar geworden, dass ich wieder einmal auf „Rettung“ und „Erlösung“ von außen warte. Eine Position zum Rest der Welt, die ich herrlich verinnerlicht habe und die dazu führt, dass ich erwarte, dass andere Menschen meine vermeintlichen Probleme erkennen und für mich lösen. Es dauert in solchen Prozessen bei mir immer ein paar Tage bis ich merke, wie sehr ich wieder in eine passive Rolle gerutscht bin, in der ich hoffe, dass irgendwann der Tag kommt, an dem mich jemand bei der Hand nimmt und für mich oder mindestens mit mir all meine Probleme und Sorgen löst und mir meinen Platz auf dieser Welt zuweist und mir die zugehörige wichtige Aufgabe benennt, die ich zu erfüllen habe. Inzwischen habe ich gelernt, anderen Menschen und auch den Umständen nicht mehr die „Schuld“ an meinem Befinden zu geben, daher möchte ich die Rolle, in der ich mich entdeckt habe, nicht als Opferrolle bezeichnen, aber von Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und positiver Gestaltung keine Spur. Und ja, irgendwie ist es schon noch eine Opferrolle, denn im Alltag kommt oft Wut hoch, wenn ich mich bei den täglichen Verrichtungen, die eine Familie mit Hund auch in den Ferien mit sich bringt, nicht ausreichend unterstützt fühle. Streit ums Gassi gehen sind gerade an der Tagesordnung und wie so oft sind meine Kinder wunderbare Spiegel meiner inneren Situation.

Zum Glück sehe ich seit gestern Abend klarer, erkenne, ich welche Ecke ich mich unbewusst manövriert habe und kann nun nach und nach wieder selber das Ruder übernehmen und den Kahn aus der Sackgasse steuern. Das geht nicht von jetzt auf gleich, aber der wichtigste Schritt in solchen Phasen ist für mich immer, wieder aktiv zu werden, die Richtung zu bestimmen und mich anders zur Situation zu positionieren, so dass sie zwar noch da sein mag, ich mich aber in ihr nicht treiben lasse sondern wieder beginne aktiv zu gestalten. Ein erster wichtiger Schritt ist es jedes Mal, wieder Verbindung zu meiner Intuition herzustellen, zu der ich den Zugang in den letzten Tagen schleichend und unbemerkt verloren habe. Dieser Zustand verursacht in mir immer ein Gefühl des allein gelassen seins und der Schutzlosigkeit, nicht selten auch etwas Panik. Diese gilt es zu überwinden, um wieder in Verbindung mit meiner inneren Stimme zu kommen, die in den vielen guten Phasen in meinem Leben sehr ausgeprägt und unterstützend ist. Neben der Absicht mich wieder der Intuition zu öffnen, helfen mir Spaziergänge und ausgewählte Essenzen bei diesem Prozess. Danach tut es mir oft gut, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren, indem ich z.B. schreibe oder meditiere, aufräume, aussortiere oder putze. Ich gestalte durch mein ganz alltägliches (bewusstes) Tun einen kleinen Neuanfang, verlasse nach und nach das Wellental, in dem ich mich in den letzten Tagen befunden habe und nehme die nächste große Welle, um wieder auf ihr zu surfen. Offen für das Leben und in dem Bewusstsein, dass nur ich der Gestalter meines Lebens bin.

Meine Vermutung, warum ich immer und immer wieder in diese Wellentäler rutsche? Weil in jedem Wellental ein wichtiger Wachstumsschritt liegt, der das Surfen auf der nächsten Welle noch schöner macht. Die Themen, die mir in den Wellentälern begegnen sind immer wieder die gleichen. In meinem Fall geht es häufig um den Wunsch nach Zugehörigkeit, Sinnhaftigkeit und Anerkennung. Angst vor Mangel, Ablehnung und Sinnlosigkeit sind deutliche Zeichen für ein Wellental. Ein scheinbares Feststecken in der dreidimensionalen Welt und ein gefühltes abgeschnitten sein von meiner Intuition runden das Bild ab. Das Vertrauen darein, diese Wellentäler unbeschadet zu überstehen wächst mit jedem Mal, und die Wellen, auf denen ich in guten Zeiten surfe, werden größer und schöner und ich halte mich von Mal zu Mal länger oben.

Das Abrutschen von der Welle ins Tal wird oft von einer Verfeinerung meiner Wahrnehmung begleitet, was dazu führt, dass ich Worte und Gesten intensiver wahrnehme, ich oft noch feiner rieche, die unterschiedliche Energie von Orten und Menschen noch deutlicher spüre und allein dadurch nicht selten Schwierigkeiten habe, innerlich im Gleichgewicht zu bleiben. Mein ganzes System scheint mit dieser höheren Sensitivität beschäftigt zu sein, und so sind Wellentäler bestimmt häufig auch Zeiten der Integration und der Anpassung an verfeinerte Sinne, die mir helfen, die nächste Welle mit noch mehr Freude und Leichtigkeit zu surfen.

 

 

 

 

 

 

Zum Frühlingsanfang am Dienstag, den 20.03.2018
Zur Sommersonnenwende am Donnerstag, den 21.06.2018
Zum Herbstanfang am Sonntag, den 23.09.2018

Immer von 19 – 22 Uhr

Die Wendepunkte der Sonne sind gute Zeitpunkte, um den Kurs im eigenen Leben zu reflektieren und ggf. anzupassen. Verteilt über das Jahr geben sie uns Gelegenheit, unseren Standort zu bestimmen, unsere Absicht zu präzisieren und neue Impulse für die folgenden Monate zu bekommen.
Jeder Abend besitzt seinen ganz eigenen Zauber und steht unter dem Einfluss der jeweiligen Zeitqualität. Neben geführten Meditationen unterstützen uns Methoden der inneren Arbeit, Kinesiologie und Aufstellungsarbeit auf dem Weg zu einem immer erfüllteren Leben mit viel Leichtigkeit und Lebensfreude.
 
bei Andrea Schlauersbach
im Zentrum Mensch, Badergasse 16, Aschaffenburg
Teilnehmergebühr je Abend 30 € (bar am Abend zahlbar)
Informationen und Anmeldung unter coaching@andrea-schlauersbach.de

Aufstellungstag (Familienaufstellung trifft Kinesiologie)

Die nächsten Aufstellungstage finden am 28.04.2018,  23.06.2018 und 21.07.2018 jeweils von 10 – 18 Uhr statt. Anmeldungen bitte per Mail an coaching@andrea-schlauersbach.de oder persönlich. Die Anzahl der Aufstellungen ist auf max. 4 pro Aufstellungstag begrenzt.

Die Kosten für eine eigenen Aufstellung betragen 120 €, Stellvertreter zahlen 20 €, Kursteilnehmer und Klienten nehmen als Stellvertreter kostenlos teil.

Aufstellungsarbeit ist in meinen Augen eines der wertvollsten Werkzeuge unserer Zeit, um im eigenen Leben zu immer mehr Lebendigkeit, Leichtigkeit und Freude zu finden. Ich schätze die Kombination aus Kinesiologie und Aufstellungsarbeit, die es uns ermöglicht, zielgerichtet und sanft alltagstaugliche Lösungen zu kreieren.

Wir stellen innerhalb der Gruppe auf, jeder kann als Stellvertreter fungieren, Vorkenntnisse sind keine erforderlich. Menschen, die erstmal „nur schauen“ wollen, sind herzlich willkommen.

Weitere Infos zur Aufstellungsarbeit finden Sie hier.

Aufstellungstag (Familienaufstellungen und mehr)


Mit Hilfe von Aufstellungen können Dynamiken sichtbar gemacht werden, die sich hinter wiederkehrenden Problemen, Konflikten, belastenden Situationen oder destruktivem Verhalten verbergen und zielführende Schritte in Richtung Lösung gegangen werden.
Wir stellen innerhalb der Gruppe auf, jeder kann als Stellvertreter fungieren. Menschen, die erstmal „nur schauen“ wollen, sind herzlich willkommen.

Die nächsten Termine: 3. Februar 2018, 10-17 Uhr

Weitere Informationenund Anmeldung gerne per Mail oder telefonisch. Eine genauere Beschreibung der Aufstellungsarbeit finden Sie auf meiner Homepage www.andrea-schlauersbach.de in den Angeboten für Eltern.