Eltern sein heute – Impulse für eine zeitgemäße Erziehung

Ein Vortrag von Andrea Schlauersbach für aufgeschlossene Eltern, Lehrer und Erzieher

Der tägliche Umgang mit unseren Kindern prägt ihren Horizont und ihren Blick auf die Welt. Die Erfahrungen, die sie mit uns machen, formen ihr Gehirn und sind die damit die Grundlage für ihr Fühlen, Denken und Handeln heute und im Erwachsenenalter. Was sie mit uns erleben, werden sie an unsere Enkel weitergeben.

Sind Sie auf der Suche nach Ideen, Impulsen und anderen Sichtweisen auf das Thema Kindheit und Erziehung? Dann besuchen Sie doch meinen Vortrag zu den folgenden Themen:

  • Andere Zeiten, gleiche Sitten. Welche Prägungen der heutigen Erziehungskultur noch in den Knochen stecken.
  • Als Kind ist das Leben noch leicht, oder? Das Spannungsfeld Kindheit.
  • Kinder haben (Grund-)Bedürfnisse, Eltern auch.
  • Lebt es sich angepasst wirklich leichter? Stärke und Mut kleiner Rebellen.
  • Regeln und Grenzen müssen sein, aber welche?
  • Wahre Autorität kommt von innen, aber wie finde ich sie?
  • Spieglein, Spieglein an der Wand, was ist mir an meinem Kind bekannt?
  • Wir räumen unseren Kindern den Weg frei in ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben. Sind Sie dabei?

Termine:           Donnerstag,  30.11.17  um 19:30 Uhr

Ort:                     Badergasse 16, 1. Stock (neben den Friseuren Topp und Topp)

Preis:                  12,00 EUR

Anmeldung unter:     coaching@andrea-schlauersbach.de oder 06021/ 5813080.

Andrea Schlauersbach ist dreifache Mutter, Kinder-, Jugend- und Elterncoach, Lehrerin für Mathematik und beschäftigt sich seit mehr als 10 Jahren mit den Themen Bildung und Erziehung im Wandel unserer Zeit.

Pipi Langstrumpf hat einen Bruder oder das Leben mit autonomen Kindern

Pipi Langstrumpf ist eine der Figuren, die ich seit meiner Kindheit sehr mag. Stark, tapfer, unabhängig, dickköpfig, clever, selbstsicher, uneinschüchterbar, selbstständig, fantasievoll und viele andere Eigenschaften verbinde ich in meiner Vorstellung mit Pipi. Die Welt so zu machen, wie sie mir gefällt, oh ja, das hätte ich gerne getan. Nun, ich war in meiner Kindheit und Jugend keine Pipi. Ich war eher wie Pipis Freundin Annika. Und auch heute kostet es mich einige Überwindung und Anstrengung Pipi in manchen Dingen etwas ähnlicher zu werden und mich unabhängig zu machen von (überholten) Konventionen und der Meinung anderer.

Und damit stehe ich im krassen Gegensatz zu meinem Sohn, der in vielerlei Hinsicht problemlos als Pipis kleiner Bruder durchgehen könnte. Selbstbestimmung und Unabhängigkeit stehen ganz oben auf der Liste der Eigenschaften, die mein Kind schon im Windelalter auslebte. Konventionen scheinen für ihn generell nicht zu gelten, und anerkennen tut er sie nur dann, wenn sie für ihn Sinn machen. In gar keinem Fall würde er sich verbiegen, um zu einer Gruppe zu gehören oder um an einer Veranstaltung teilnehmen zu dürfen. Die unausgesprochene Ansage, die er jedem, der mit ihm zu tun hat, entgegenschickt ist „akzeptiere mich so wie ich bin, ich werde nämlich so bleiben! Auf jeden Fall aber werde ich mich nicht anpassen oder ändern!“.

Schon im Kindergartenalter hatte mein Sohn viel von der Welt begriffen und wusste mich in Diskussionen mit meinen eigenen Waffen zu schlagen. Ein Grund, warum ich mich nicht mehr auf Diskussionen einlasse, sondern sehr darauf achte, sinnvolle und authentische Grenzen zu setzten. Alles andere hätte keinen Bestand. Ähnlich wie mit Pipi kann ich mit ihm Pferde stehlen, solange wir am gleichen Strang ziehen. Er ist ein guter Ratgeber und Unterstützer wann immer Not am Mann ist, aber Dinge einfach zu tun, weil man sie so tut, dass funktioniert nicht.

Mit Abstand betrachtet hat mein Sohn viele der Eigenschaften, die ich in meiner Kindheit gerne gehabt hätte. Und nachdem ich dieses Kind nun schon seit einigen Jahren begleite, bin ich zunehmend stolz auf seine Unabhängigkeit und seine Unbestechlichkeit, aber es liegen harte Zeiten hinter uns.

Wenn eine Annika den kleinen Bruder von Pipi zur Welt bringt, rüttelt das erst mal gründlich an den Grundfesten der Mutter. Anpassung im Kindesalter ist häufig ein Weg, um mit möglichst wenig Reibung und mit maximal möglicher Anerkennung durch den Alltag zu kommen. Anerkennung für gutes (angepasstes) Verhalten, ordentliche Kleidung, leergegessene Teller, gemachte Hausaufgaben, gute schulische Leistungen und vieles mehr waren lange Bestandteil der Erziehung und sind es heute immer noch. Die Idee, von den Eltern dann die dringend benötigte emotionale Nähe und Liebe zu bekommen, wenn man brav ist und sich „richtig“ verhält, führt oft zu Einbußen der Integrität. Anpassung und Gefallenwollen werden zum Lebensstil und scheinen das emotionale Überleben zu sichern. Annika mag dann Pipi insgeheim noch bewundern, selber so leben würde sie aus Angst vor Ablehnung aber nicht.

Pipis Bruder triggert also die Überlebensmechanismen seiner Annika-Mutter. Diese glaubt nämlich, dass ihre Überlebensstrategie der Anpassung auch für ihren Sohn genau das richtige wäre. Sich für das Verhalten des eigenen Kindes zu schämen oder zu glauben, in der Erziehung völlig versagt zu haben, sind nur zwei Ausprägungen einer als existentiell empfundenen Angst. Als Mutter ist es nun logisch, jeden erdenklichen Schritt zu unternehmen, um das Kind an die eigenen Vorstellungen von richtigem Verhalten anzupassen. Belohnung, Strafe, Weinen, Flehen, Drohen, Bitten, alles ist gut, solange es zum Ziel führt. Was aber, wenn das Kind gegen all das immun ist? Wenn es bereit ist, jegliche Konsequenz wie Einsamkeit, Verweis, Ausschluss, Strafe usw. zu tragen, um sich nicht zu verbiegen? An dieser Stelle habe ich lange nicht mehr weiter gewusst und auch in Erziehungsbüchern und bei Beratungen wenig zielführende Ideen gefunden.

Bei Jesper Juul bin ich vor einiger Zeit auf den Begriff der autonomen Kinder gestoßen und finde ihn sehr treffend. Diese Kinder, die wie Pipis Geschwister wirken, wahren ihre Integrität um jeden Preis. Sie scheinen zu wissen, dass alles, was ihnen im Leben durch ihre „Rebellion“ passieren kann, nicht wirklich schlimm ist und zahlen aus unserer Sicht einen hohen Preis für ihr Verhalten. Viele von ihnen durchschauen das Spiel des Lebens in jungen Jahren tiefgründiger als mancher Erwachsene. Sie zu begleiten ist unaushaltbar anstrengend, wenn wir Eltern auf unseren Standpunkten beharren und nicht bereit sind, zu hinterfragen, was wir für richtig halten. Autonome Kinder zwingen uns regelrecht, jede Überzeugung im Kontext von Erziehung und Schule zu überdenken. Unsere Bereitschaft zu Reflexion und Veränderung ist täglich gefragt. Wenn wir zuhören und hinsehen, erinnern sie uns wieder an die Eigenschaften, die wir als Kind gerne gelebt hätten. Wenn wir es schaffen, diese in unser Leben zu integrieren, wird das Zusammenspiel mit unserem Kind leichter.

Inzwischen sehe ich die Begleitung meines Kindes als unglaubliche Chance für gemeinsames Wachstum. Meine Denkweise und mein Blick auf das Leben haben sich mit diesem Kind sehr verändert. Ich wünschte, viel mehr Erwachsene hätten diese Integrität und würden mit dem gleichen Mut für sie einstehen.

Ich bin überzeugt, dass wir bald herausfinden werden, wie wir gut mit unseren Kindern leben können ohne sie verbiegen zu wollen. Ein erster wichtiger Schritt ist in meinen Augen, ihre Stärke zu sehen und die Chance daran zu wachsen.

Haben Sie mir Ihrem Kind ähnliche Erfahrungen gemacht und sind Sie auf der Suche nach neuen Wegen für ein gutes Miteinander in der Familie? Dann freue ich mich, wenn Sie Kontakt zu mir aufnehmen!

Wenn Schule zum Problem wird – ein Vortrags- und Diskussionsabend für Eltern und Lehrer

Kennen Sie das: Ihr Kind hat morgens immer öfter Bauchweh und möchte lieber nicht in die Schule gehen? Es dauert lange, bis Ihr Kind die Hausaufgaben erledigt, und der Stress drum herum ist viel aufwendiger als die eigentlichen Hausaufgaben? Bestimmt das Thema Schule Ihren Alltag? Machen Sie sich Sorgen, wie es im nächsten Schuljahr weitergeht?
Dann sind Sie in guter Gesellschaft, denn diese u.a. Themen beschäftigen viele Familien.

Datum: Dienstag, den 21.11.2017
Uhrzeit 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr
Veranstaltungsort: Badergasse 16 in Aschaffenburg, 1. Stock
Kosten: 12 € pro Teilnehmer (bar am Abend zahlbar)
Anmeldung (erforderlich) per Mail an coaching@andrea-schlauersbach.de

In den letzten 10 Jahren habe ich mich aus verschiedenen Blickwinkeln mit Schule und Lernen auseinandergesetzt. Als Mutter, Mathelehrkraft und Coach begegnet mir Schule und die damit verbundenen Emotionen und Erfahrungen täglich. Aus eigener Erfahrung weiß ich, welchen Einfluss der Alltag rund um Schule auf das Familienleben hat, und wie viele Ängste, Sorgen und Hilflosigkeit in Eltern und Kindern aktiv werden (können). Dass das derzeitige Schulsystem dringend verändert werden muss, ist klar. Dass diese Veränderung noch Zeit braucht, leider auch. Darum ist es mir wichtig, einen konstruktiven Ansatz zu finden, mit dem wir Eltern unsere Kinder gut durch die Schulzeit begleiten können und gleichzeitig nachhaltig auf notwendigen Veränderungen aufmerksam machen. Ich bin überzeugt, dass eine tiefgehende Reform des Schulsystems von den Familien ausgehen wird. Umso wichtiger ist es daher, dass wir uns gemeinsam unterstützend hinter unsere Kindern stellen, um konstruktiven, frischen Wind in die Schulen zu tragen. Und ich bin mir sicher, dass sich viele Lehrer ebenfalls eine menschlichere Schule wünschen, in der Lehren eine wirklich erfüllende und schöne Aufgabe ist.
An diesem Abend führe ich mit einem ca. einstündigen Vortrag in das Thema ein, gebe Impulse, zeige mögliche Lösungsschritte auf und gebe ganz praktische Tipps für den Alltag, bevor wir in Gedankenaustausch und Diskussion einsteigen. Ich freue mich auf einen lebendigen Abend!

Bahn frei, hier komm ich!


Infostunde zum Kurzzeitcoaching für Schüler, die im neuen Schuljahr durchstarten wollen.

Dieses Angebot richtet sich an die Schüler und ihre Eltern, die im neuen Schuljahr durchstarten möchten und bereit sind, die Anstrengung dafür in Kauf zu nehmen, kleine und große Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Infos zum Coaching und zu mir gibt es in den Infostunden am 5.9.2017 um 19 Uhr und am 7.9.2017 um 11 Uhr (Dauer ca. 1 Stunde). Die Veranstaltungen sind kostenlos und stehen allen interessierten Schülern und ihren Eltern offen. Bitte formlos per Mail an coaching@andrea-schlauersbach.de anmelden.

Details zum „Bahn frei, hier komm ich!“-Coaching finden Sie hier.

Neues Schuljahr, neue Chance. Was braucht mein Kind, was brauche ich?


Neues Schuljahr, neue Chance. Wie wäre es diesmal mit

  • weniger Stress und mehr Lebensfreude?
  • weniger Streit rund ums Lernen und mehr gemeinsamer Freizeit?
  • weniger Sorgen und mehr Vertrauen?
  • weniger Angst und mehr Zuversicht?
  • weniger Druck und mehr Lebensqualität?

Sie wünschen sich für sich und Ihr Kind ein weniger anstrengendes Schuljahr, wissen aber noch nicht, wie Sie dieses Ziel erreichen können? Dann ist dieser Workshop vielleicht das richtige Angebot für Sie. In einer überschaubaren Gruppe von 6-8 Teilnehmern nehmen wir uns die Zeit, auf die Situation jedes einzelnen einzugehen und in einer kleinen Aufstellung sichtbar zu machen, um mögliche Lösungsschritte zu finden. Jeder Teilnehmer wird dabei auch von den Erfahrungen und Lösungen der anderen Teilnehmer profitieren und konkrete Ideen und neue Blickwinkel mit nach Hause nehmen.
In diesem Workshop stelle ich Ihnen meine Erfahrungen rund um Lernen und Schule, mein Wissen um Dynamiken in Familien und mein kinesiologisches Werkzeug zur Verfügung, um Lösungen zu finden, die weiter gehen als die Tipps in vielen Erziehungsratgebern.

Termine:
Als Tagesworkshop
am Mittwoch, 06.09.2017, 9:30 – 17 Uhr               oder
am Samstag, 07.10.2017, 9:30 -17 Uhr

Verteilt auf drei Termine
Donnerstags, 28.09.2017, 05.10.2017, 12.10.2017 jeweils von 19:30 -21:30 Uhr

Ort: Badergasse 16, 63739 Aschaffenburg, 1. Stock
Kosten: 90 €, zahlbar bei Anmeldung
Veranstalter und Anmeldung: Andrea Schlauersbach, Kinder-, Jugend- und Elterncoach, coaching@andrea-schlauersbach.de

Emil und die Schule

Emil war 6 Jahr alt, als er in die Schule kam. Das ist nichts Besonderes, denn die meisten Kinder sind etwa 6 Jahre alt, wenn sie in die Schule kommen. Emil freute sich ein bisschen auf die Schule, und auch das ist unter den Vorschülern weit verbreitet. Emil freute sich auf seine Schultüte und auf die spannenden Dinge, die er in der Schule lernen würde. Emil war also ein ganz normales Kind, als er mit 6 Jahren in die Schule kam.

Emil freute sich auf den ersten Schultag, ging in seine Klasse, packte danach zu Hause seine Schultüte aus und verstand dann gar nicht, warum er die erste Hausaufgabe machen sollte. Emil wollte nicht. Er wollte keine Übungen zu Hause machen. Nicht am ersten Schultag und auch nicht an den Tagen danach. Emil sah nicht ein, dass er üben sollte, einfach nur, weil das in der Schule so war. Überhaupt hatte Emil nach einer Woche Schule die Nase voll von Schule und wollte lieber zu Hause bleiben. Für seine Eltern war das ein großes Dilemma, denn in dem Land in dem Emil wohnt, müssen alle Kinder zur Schule gehen, ohne Ausnahme. Und so redeten die Eltern geduldig mit ihm, begleiteten ihn in die Schule, übten Druck aus, wenn sie nicht weiterwussten, sprachen mit der Lehrerin und waren froh um jeden Tag, den Emil in die Schule ging. Die Hausaufgaben wollte Emil immer noch nicht machen, und wenn, dann erst abends ganz spät, wenn es an diesem Tag nichts mehr zu verpassen gab. Oder aber er machte die Hausaufgaben auf Mamas Schoß, weil er sie dann ganz nah bei sich haben konnte. So schlichen die beiden ersten Schuljahre dahin. Emil ging in die Schule, weil er musste, und er ging sehr ungerne. Er machte seine Hausaufgaben oft nicht, sah aber auch nicht ein, dafür Strafarbeiten machen zu müssen. Emil war clever, und eigentlich fiel ihm Lernen sehr leicht, aber die Schule machte ihm keinen Saß.

Im dritten Schuljahr bekam Emil einen jungen Lehrer, den er sehr mochte. Und Emil hatte Glück, denn der Lehrer mochte ihn auch. Und plötzlich ging Emil viel lieber in die Schule, sogar seine Hausaufgaben machte er viel öfter und manchmal zeigte er sogar, was wirklich ihn ihm steckte.

Doch das Glück währte nicht lang, denn mit dem Lehrer wechselte auch die Sympathie, und die Schule wurde wieder zur Last. Aufstehen und in die Schule gehen war schwierig, Hausaufgaben machen eine Last. Emil hatte keine Lust mehr.

Die Experten waren sich einig, Emil musste gefördert werden und auf eine gute Schule, die ihn forderte. Der Versuch misslang. Emil wollte nicht gefordert werden, auch nicht gefördert. Emil wollte einfach Emil sein und nicht in die Schule gehen. Und so wechselte Emil immer wieder die Schule, blieb an vielen Tagen lieber zu Hause und mochte keine Hausaufgaben. Oft schien die Situation für ihn viel weniger schlimm und anstrengend zu sein als für seine Eltern, die sich an vielen Tagen keinen Rat mehr wussten. Selbst die Experten waren irgendwann ratlos, was aus diesem Emil einmal werden sollte. Aus diesem Emil, der einfach nur Emil sein wollte und nicht in die Schule ging.

Mama, ich mach das! (Die Schule, mein Kind und ich)

Rückblick:

Es ist der erste Schultag meiner Tochter. Aufgeregt geht sie mit uns in den Saal der Musikschule, in dem die neuen Kinder ihrer Klasse zugeteilt werden. Sie freut sich riesig und ist guter Dinge. Ganz im Gegenteil zu mir, denn nach acht durchwachsenen und sehr belastenden Schuljahren mit unseren Söhnen freue ich mich nicht darüber, dass ab jetzt auch unsere Jüngste in die Schule geht. Nach der kleinen Feier in der Musikschule geht meine Tochter gut gelaunt mit in ihre Klasse. Während die meisten Eltern bei Kaffee und Kuchen warten, bis sie ihre Kinder wieder abholen können, laufe ich mit dem Hund durch den Wald und gebe mit jedem Schritt  einen Teil meines Frusts an den Boden ab. Nach dem Spaziergang geht es mir besser, aber ich weiß, dass ich mich um mich und meine Gefühle in  Bezug auf die Einschulung kümmern muss, wenn ich in den nächsten Jahren eine Unterstützung für meine Tochter sein möchte.

Heute, zwei Jahre später:

Morgen ist der letzte Schultag in Bayern, und meine Tochter hat inzwischen zwei Schuljahre „hinter sich“. Nachdem ich mich mit meinem Stress rund um Schule beschäftigt habe, ist es mir gut gelungen, sie auf ihrem Weg durch die ersten beiden Schuljahre zu begleiten. Nach wie vor geht sie gerne in die Schule, ist sozial sehr gut aufgehoben und hat einen Haufen Freundinnen. Wir haben es geschafft, ein gutes Verhältnis zwischen Betreuung im Hort und gemeinsamer Zeit zu schaffen, und Schule und Lernen ist im Zusammenhang mit unserer Tochter eigentlich nie ein Thema.  Es erstaunt mich immer wieder, wie selbstverständlich und selbstständig sie sich um ihre Hausaufgaben kümmert. Auch das tägliche Aufstehen und in die Schule gehen fällt ihr leicht. Viele Themen, die sie in den letzten beiden Jahren in der Schule gelernt hat, haben ihr so viel Freude gemacht, dass sie sich zu Hause weiter damit beschäftigt hat.  Als Mutter war meine größte Lernaufgabe zu vertrauen, dass sie alleine klar kommt und sich dann Hilfe holt, wenn sie welche braucht. Das ist gut gelungen, denn die wenigen Male, die ich mit ihrer Lehrerin geredet habe, kamen dadurch zustande, dass sie emotionale Unterstützung von mir brauchte, um ihr Anliegen vorzutragen.

Jetzt, am Ende des zweiten Schuljahres, ist die dritte Klasse ein großes Thema. Und trotz aller Freude auf die Ferien, spricht meine Tochter nun schon seit Tagen vom ersehnten ersten Schultag in der dritten Klasse. Es hat gedauert und einiges an „innerer“ Arbeit meinerseits gebraucht, damit ich diese Freude heute uneingeschränkt teilen kann.

Ja, Du machst das (großartig)!

Von „Hast Du schon …“, „Musst Du nicht…“, und Selbstbestimmung

Irgendwo auf der Autobahn in Holland, Urlaubsrückreise. Eigentlich bin ich gut erholt, und doch ist meine Laune unterirdisch mies. Ich versuche jemanden über die Freisprecheinrichtung anzurufen, aber die funktioniert ausgerechnet jetzt nicht. Ich probiere mehrmals, ohne Erfolg. Mein Sohn macht einen Vorschlag zur Lösung, und ich gehe in die Luft. „Kann ich nicht endlich mal was alleine probieren? Warum meint jeder, er wüsste es besser als ich? Verdammt noch mal, ich will das alleine schaffen!“ Mein Sohn hat keinen Plan, was für eine Welle ihn da gerade wegspült, ist völlig irritiert, und ich auch. Sein nett gemeinter Vorschlag hat in mir eine emotionale Lawine ausgelöst und ihn mit fortgerissen. Es braucht einige Zeit des Schweigens, bevor ich die Klärung dieser Situation initiieren kann.

In den Wochen nach diesem Erlebnis begegnen mir in meinem Umfeld wiederholt ähnliche Situationen, die zum Glück nicht mehr die gleiche emotionale Wucht haben, mir aber deutlich machen, worum es hier geht: Um Selbstbestimmung.

Die Emotionen, die meinen Sohn so heftig getroffen haben, sind alt und stammen aus Kindheitstagen. Der Wunsch nach Autonomie ist uns genauso in die Wiege gelegt, wie der Wunsch nach Zugehörigkeit. Für Eltern immer eine Gratwanderung, denn Kinder wollen vieles selber machen, können es in unseren Augen aber oft (noch) nicht. Oder noch nicht schnell genug, oder noch nicht gut genug, oder oder…. Es gibt viele Gründe, warum wir meinen, Kindern (zum Teil ungefragt) helfen zu wollen oder Dinge für sie erledigen zu müssen. Zeit und die Angst vor Chaos sind wohl zwei wichtige Beweggründe, die uns häufig daran hindern, unsere Kinder noch selbstständiger werden zu lassen.

Und dann gibt es da noch einen anderen wichtigen Punkt, der uns treibt, unsere Kinder nicht alleine bestimmen oder alleine probieren zu lassen, und das ist die Idee, dass sie viele Dinge ohne uns gar nicht erst erledigen oder schaffen würden. Die Idee, dass es unserer Kontrolle bedarf, damit das Kind tut, was es tun soll. Dinge des Alltags, die wir häufig als Pflichten deklarieren, wie zum Beispiel Hausaufgaben, Zähneputzen, das Zimmer aufräumen, den Müller wegbringen, morgens pünktlich aufstehen, etc. Würden unsere Kinder all dies tun, ohne, dass wir sie dazu drängen?

Wenn ich meinen Gefühlen nachgehe, dann stelle ich fest, dass meine Eltern mich in der Kindheit in vielen Dingen haben sehr selbstständig werden lassen, und dass sie gleichzeitig, wie wohl fast alle Eltern, in manchen Dingen immer wieder nachgehakt haben, ob ich sie erledigt habe. Das war gut gemeint, und ich selber mache das seit Jahren so mit meinen Kindern, aber es hat Spuren hinterlassen. Wiederholte Nachfrage und das ständige Anhalten zum Erledigen der Pflichten engen ein, geben ein Gefühl von Unvermögen, Unzulänglichkeit und Unzuverlässigkeit und mindern die Entwicklung der Eigenverantwortung.

Alltägliche Fragen wie: „Hast Du Deine Zähne geputzt? Ist das Zimmer aufgeräumt? Hast Du die Vokabeln gelernt? Ist Dein Fahrrad in der Garage? Musst Du nicht noch Geige üben?“ gehören wohl zum Leben in Familien dazu, und diese List ließe sich beliebig erweitern. Wir Eltern empfinden sie als notwendig und normal. Doch wie würde es uns als Erwachsener gehen, wenn unser Mann oder unsere Frau uns täglich fragen würden, ob wir all unsere Pflichten erledigt hätten, ob wir pünktlich in der Arbeit gewesen wären, ob wir uns dort gut verhalten hätten, ob wir den Müll rausgebracht und die Spülmaschine ausgeräumt hätten, ob wir für den morgigen Tag vorbereitet wären und unseren Schreibtisch aufgeräumt hätten? Wenn Sie ähnlich gestrickt sind wie ich, würden Sie diese Fragerei gepaart mit einem Hinweis auf Ihr Alter schnell unterbinden, oder? Und ich glaube, dass es unseren Kindern in mancher Hinsicht genauso geht, wenn wir Eltern wie eine kaputte Schallplatte immer wieder mit der gleichen Litanei an Fragen daherkommen.

Es meiner Sicht bedeutet Elternsein auch, dass wir immer wieder neu abwägen müssen, in welchen Dingen unser Kind wirklich Hilfe braucht und in welchen nicht, wozu wir unsere Kinder wirklich drängen müssen und wozu nicht. Vielleicht ist es sogar so, dass unsere Kinder die von uns benannten Pflichten gar nicht als solche empfinden würden, wenn wir sie nicht so stark einfordern und kontrollieren würden. Denn ganz ehrlich, den Müll zu entsorgen empfand ich als Kind als blöde Pflicht. Heute finde ich es manchmal lästig, aber ich freue mich immer über einen leeren Mülleimer. Genauso mag ich den Geruch von frischer Wäsche, das gute Gefühl, das mir eine saubere Wohnung gibt, die Freude über einen aufgeräumten Schreibtisch und vieles mehr. Meine Zähne putze ich mir nicht nur, weil es gut für die Zähne ist, sondern, weil ich das Gefühl frisch geputzter Zähen mag! Und ich komme gerne pünktlich zur Arbeit, zu Terminen und Verabredungen, weil es für mich entspannter ist, und ich es als respektvoll empfinde. Ich muss mich dazu nicht zwingen, und es bedarf keiner Kontrolle.

Es lohnt sich, die alltägliche Routine zu hinterfragen und neu zu beurteilen, wo und wann unsere Kinder wirklich Unterstützung und Kontrolle brauchen, und wo sie sehr gut alleine zurechtkommen. Ich zumindest bin gespannt, wie viele der „Hast Du schon…?“ Fragen ich mir jeden Tag sparen kann.

Und übrigens: Natürlich kann und weiß ich einiges besser als meine Kinder, ich bin ja auch die Ältere. Aber ich weiß auch, dass Menschen ihre eigenen, manchmal auch unschönen, Erfahrungen machen müssen, um sich zu entwickeln. Und auch hier gilt es mit gesundem Menschenverstand abzuwägen und zu überlegen, wie wir unsere Kinder täglich bestmöglich begleiten können.

Aus-Zeit für mich. Ein entspannter Workshop für Mütter .

Die Idee:

Als Mütter sind wir stark in den Familienalltag eingebunden, koordinieren, arrangieren, begleiten unsere Kinder zu ihren Termine, führen Gespräche mit Lehrern und Erziehern, schlichten Streit, trösten, unterstützen, lernen mit und fragen ab und nehmen uns bei all dem häufig zu wenig Zeit für uns selbst. In der Hektik und straffen Organisation des Alltags verlieren wir nicht selten unsere Wünsche und Träume aus den Augen und funktionieren mehr, als dass wir unser Leben aktiv gestalten. Wir können diesen Zustand beibehalten oder beginnen ihn zu verändern.

Veränderung beginnt immer mit uns selbst. Wenn wir Mütter unser Leben entspannter und bewusster gestalten können, uns Auszeiten gönnen und unseren Träumen treu bleiben, sind wir inspirierendes Vorbild für unsere Kinder und Partner und leisten damit einen großen Beitrag für ein entspanntes und erfülltes Familienleben.

Der Kurs:

Dieser erste Kursteil besteht aus vier Terminen von jeweils 90 min. Jedes unsere Treffen steht unter einem eigenen Motto und beinhaltet Phasen der Entspannung und Ruhe ebenso wie Phasen der Kreativität und Aktivierung. Neben Übungen aus der Kinesiologie fließen meine Erfahrungen aus der Arbeit mit Menschen und ihren Familien in diesen Workshop ein. Dieser erste Kursteil kann nach Abschluss durch den vier Wochen langen zweiten Kursteil ergänzt werden.

Ein Auszug aus den Themen:

  • Bestandsaufnahme (was ist gut in meinem Leben, was darf besser werden)
  • Wer steht im Mittelpunkt meines Lebens?
  • Ich bin ich, und das ist gut so.
  • Veränderung darf sanft gehen, und sie braucht manchmal Mut und Zeit.

Termine:

Kurs A: Donnerstags, 19:30 – 21 Uhr, Start am 16.03.2017 (endet am 27.04.2017)

Kurs B: Freitags,    9:30 – 11 Uhr, Start am 18.03.2017 (endet am 28.04.2017)

Kosten: 90 € für den gesamten Kurs oder 25 € für einzeln gebuchte Termine

Anmeldung per Email an coaching@andrea-schlauersbach.de.

Mama muss zur Schule oder was Erziehung mit dem Entschärfen von Bomben zu tun hat

Freitagmorgen, 6 Uhr. Der Wecker klingelt gefühlt viel zu früh. Die Woche war anstrengend, emotionale Achterbahn aus den unterschiedlichsten Gründen. Ich bin müde, würde gerne einfach weiter schlafen, aber das geht nicht. Morgens bin ich das Zugpferd der Familie, die Erste die aufsteht und damit den täglichen Kreislauf in Gang setzt. Und außerdem muss auch ich zur Schule, habe Unterricht zur ersten Stunden.

Der Ablauf für heute Morgen ist klar besprochen. Ein Kind werde ich zur Schule fahren, bevor ich selber gehe. Die beiden anderen gehen alleine zur Schule. Ich starte meine Morgenroutine, freue mich, dass das erste Kind recht leicht aus dem Bett kommt. Dann die Nachricht: „Mama, ich habe da zwei Nummern vergessen zu machen.“ Ich schnaufe tief, eine kleine rote Warnlampe blinkt hektisch in meinem Kopf. Mein Gehirn spielt blitzschnell alle erdenklichen Szenarien durch, von der früher üblichen Strafpredigt über das rechtzeitige Erledigen der Hausaufgaben über die zeitliche Verzögerung, die durch diese Aufgaben jetzt entsteht. Mein Hirn reorganisiert blitzschnell den Morgenablauf und meine Mund antwortet erstaunlich gelassen: „Dann mach sie doch schnell jetzt.“  Und völlig problemlos schnappt sich besagtes Kind die Hefte und erledigt höchst konzentriert die fehlenden Hausaufgaben. Zeitlich wird es gehen. Ganz ehrlich, ich bin ziemlich stolz auf mich, denn vor noch nicht allzu langer Zeit hätte mich diese Situation in gefühlte Panik und Hektik versetzt, und weder das Kind noch ich hätten an einem solchen Morgen viel auf die Reihe gebracht.

15 Minuten später hat Kind eins die fehlenden Hausaufgaben erledigt, schiebt sich sein Frühstück noch schnell in den Mund und stößt im Bad auf Kind zwei, das sich mit einiger Mühe viel zu spät aus dem Bett gequält hat. Nun will auch Kind zwei aus nachvollziehbaren Gründen von mir  mit zum Bahnhof genommen werden.  Ich schaue auf die Uhr, bleibe ruhig, schnaufe tief und plane den schnellsten Weg von hier über Schule und Bahnhof bis zu meiner Schule. Auch als beide Kinder gleichzeitig den Föhn brauchen, und ich schon abmarschbereit bin, äußere ich nur kurz: „Ich will pünktlich in die Schule“. Ein verständiges „Ja, ich weiß.“ kommt mir entgegen, und ich bleibe ruhig, helfe zu organisieren und hole noch schnell eine Kinderjacke aus dem Kinderzimmer. Dies kann ich vor lauter frisch produziertem Chaos auf dem Boden kaum betreten, aber ich atme tief und bleibe ruhig. Diese Baustelle muss bis später warten. Es gelingt mir, beide Kinder in guter Stimmung pünktlich abzuliefern. Alles Weitere klären wir später.

Alleine im Auto wird mir langsam bewusst, wie viel Potential für Stress und Streit diese kurze Zeit nach dem Aufstehen in sich trug, und wie friedlich und zielführend wir damit umgehen konnten. Was mich vor einiger Zeit noch in Stress, Aufregung und Hektik versetzt hätte, kann ich inzwischen ruhiger und überlegter angehen. Meine dicken roten Knöpfe, die meine Kinder immer noch gerne drücken, führen jetzt nicht mehr zu inneren und äußeren Explosionen, sondern zu bewussteren und viel angemesseneren Reaktionen. Die Knöpfe sind noch da, aber die Bomben dahinter, die habe ich entschärft! Und so komme auch ich (fast) pünktlich vor Beginn der Stunde in meine Schule und stehe recht gelöst vor meiner etwas müden Klasse, die sich auch schon auf das Wochenende freut.